Immer wieder war in den vergangenen Wochen zu lesen, dass Elektroautos durch die steigenden Energiepreise ihre Kostenvorteile endgültig verlieren würden: „Elektroauto laden ist jetzt teurer als Benzin tanken“, titelte beispielsweise am 20. September ein bekanntes österreichisches Boulevardblatt. Wegen der „explodierenden Strompreise“ sei man derzeit „vom Kostenpunkt her besser beraten, vom Elektroauto auf Verbrenner umzusteigen“, so die plakative und überaus profunde (Sarkasmus aus) Conclusio.
Im Artikel selbst werden dann unglaublich repräsentative Zahlen wie ein Durchschnittsverbrauch von 4 Liter Super 95 eines Škoda Octavia sowie ein Strompreis von 67 Cent pro kWh (Tesla Supercharger) für die Berechnung herangezogen. Mit einem Spritpreis von 1,85€ errechnen die Auto-Profis dann Kosten von 7,4€ pro 100 Km für den Verbrenner und 11,39€ pro 100 Km für ein Tesla Model 3 mit 17 kWh Verbrauch. Ergo: Die Elektromobilität ist gescheitert, der Umstieg vom Elektroauto auf den Verbrenner die einzig logische Konsequenz – so zumindest die Boulevard-Einschätzung.
Es ist wohl überflüssig zu erklären, wieso diese Rechnung hinkt und ganz bestimmt keine Aussagekraft über die generellen Kosten eines Elektroautos im Vergleich zu einem Verbrenner hat. Fairnesshalber sei erwähnt, dass man im letzten Absatz des Artikels die eigene Rechnung mit Blick auf niedrigere Ladekosten noch etwas relativiert hat, beim Ergebnis bleibt man allerdings.
Genau hier liegt nämlich der Hund begraben, denn nur die hohen Kosten eines einzelnen Anbieters von Schnellladern für einen solchen Vergleich heranzuziehen, spiegelt nicht die Realität wider (Fahrer eines Škoda Octavia mit Benzinmotor mögen mich berichtigen, aber auch die 4 Liter Verbrauch klingen sehr tiefgestapelt). Natürlich kann man mit einem Elektroauto hohe Ladekosten erzielen, wenn man nur beim teuersten Anbieter an der Autobahn lädt. Ich kenne allerdings im Umkehrschluss niemanden, der seinen Verbrenner immer nur mit dem teuersten Sprit an der teuersten Tankstelle füttert.
Eines werden die steigenden Energie- und Strompreise aber natürlich schon zur Folge haben: Auch Elektroautofahrer werden wohl künftig genauer hinschauen, was der geladene Strom denn eigentlich kostet. Und vielleicht führt es ja auch dazu, dass der Verbrauchsaspekt auch beim Stromer stärker in den Fokus rückt – was meiner Meinung nach wünschenswert ist.
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