Dabei setzen die Hersteller aus Fernost auf unterschiedliche Vertriebsmodelle: Während Nio seine Fahrzeuge – vorerst 3 Modelle – ohne stationären Handel an die Käuferinnen und Käufer bringen will, geht Denzel mit BYD (wie zuvor auch schon bei der Marke MG) einen anderen Weg und bevorzugt das „klassische“ Vertriebsmodell – Importeur mit seinen Händlerpartnern: China ist eben nicht gleich China!  

Mag. Georg Strassl, Vorsitzender des Vorstands der Denzel Auto AG, brachte die Thematik in seinem Vortrag im Rahmen des jüngsten A&W-Tags auf den Punkt: Es käme zu einem Strukturwandel im Handel – dem Markteintritt von 10 chinesischen OEMs in Europa – sowie „360 Grad Omnichannel-Vertrieb, wobei wir nicht glauben, dass bis 2030 alle Autos online verkauft werden, denn ein Teil der Kunden wird auf jeden Fall auch physische Beratung im Autohaus brauchen oder wünschen“.

Für den österreichischen Automobilhandel, der durch Vertragskündigungen und mögliche einschneidende Veränderungen der über viele Jahrzehnte erfolgreich gelebten Vertriebsform verunsichert ist, eröffnen sich mit dem Markteintritt frischer Player auch Chancen. Einerseits könnte die Vermarktung hierzulande neuer und konkurrenzfähiger E-Marken das Geschäft zusätzlich beleben, andererseits bieten sich für die Werkstatt (hoffentlich) lukrative Geschäftsfelder in Form einer (Service-) Partnerschaft mit jenen Herstellern, die auf Direktvertrieb setzen.

„Die betroffenen Betriebe, die keinen Vertrag mehr bekommen, werden natürlich Lösungen für sich und ihr Umfeld, in dem sie aufgestellt sind, finden müssen“, bekräftigte erst jüngst VÖK-Obmann Bernhard Kalcher in einem Interview mit der AUTO-Information. Das könne auch eine branchenfremde Lösung sein, weil man jede Möglichkeit verfolgen müsse – egal ob sie mit der Branche verbunden sei oder nicht.

Nach dem alten chinesischen Sprichwort: „Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut“ kann es nicht schaden, neuen Geschäftsfeldern wachsam, neugierig und aufgeschlossen zu begegnen.  

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.