In unserer aktuellen Ausgabe von AUTO & Wirtschaft haben wir uns in einer umfassenden Fokus-Strecke ausgiebig mit dem Fachkräftemangel in der Kfz-Branche auseinandergesetzt. Was soll die Politik dagegen tun, was sollen betroffene Unternehmen dagegen tun und worin liegen eigentlich die Ursachen?
Eines vorweg: Pauschale, allgemeingültige Antworten auf diese Fragen zu finden, ist vermutlich unmöglich. Denn je nachdem, wen man fragt, hört man doch sehr unterschiedliche Sichtweisen. Das haben auch unsere Anfragen beim zuständigen Arbeitsministerium sowie den Arbeitnehmervertretern von AK und ÖGB gezeigt. Während ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian davon spricht, dass in vielen Branchen zu wenig ausgebildet werde und der Fachkräftemangel teils hausgemacht sei, sieht Bundesminister Martin Kocher den demographischen Wandel und den wirtschaftlichen Aufschwung als Hauptursachen. Zusätzlich zum demographischen Wandel nennt Mag. Martin Schmidhuber von der AK Wien noch die Digitalisierung als entscheidenden Faktor.
Wie so oft im Leben wird auch hier die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Jedenfalls ist keiner der genannten Faktoren sonderlich förderlich bei der Suche nach Fachkräften. In einigen Punkten gehen die Meinungen der drei befragten Herren allerdings gar nicht so weit auseinander. So müsse beispielsweise mehr ausgebildet und die Frauenquote gesteigert werden.
Weitere Punkte, bei denen offenbar Einigkeit besteht, sind die Attraktivität des Arbeitgebers und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dass es hier Mittel und Wege gibt, zeigt sich ebenfalls in unserer Fokus-Strecke. So hat sich gezeigt, dass es auch in der österreichischen Kfz-Branche bereits einige Betriebe gibt, die auf eine Vier-Tage-Woche setzen und durchaus positive Erfahrungen damit gemacht haben.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte damit nicht sagen, dass eine Vier-Tage-Woche künftig für alle Unternehmen unumgänglich sein wird. Allerdings zeigt es, dass man als Unternehmer den Entwicklungen proaktiv entgegenwirken muss, um am Ende nicht übrig zu bleiben.
Die Ursachen für den Fachkräftemangel sind mindestens genau so vielfältig wie die potenziellen Lösungen. In jedem Fall aber wird er nicht von heute auf morgen verschwinden, deshalb wird man ihm als Unternehmer proaktiv entgegentreten müssen.
Als Inspiration dafür darf ich Ihnen nochmals unsere ausgiebe Fokus-Strecke ans Herz legen, unter anderem mit einem spannenden Interview mit Ing. Ernst Römer, Direktor der Tiroler Fachberufsschule (TFBS) für Kfz-Technik in Innsbruck.
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