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„Die Jungen wollen arbeiten“

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„Die Jungen wollen arbeiten“
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Im Interview erzählt Ing. Ernst Römer, Direktor der Tiroler Fachberufs­schule (TFBS) für Kfz-Technik in Innsbruck, wie „seine“ Lehrlinge heute ticken und wo der Schuh drückt.

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A&W: Herr Direktor, der Stellenwert der Lehre wird oft beklagt. Wie sehen Sie das und wie entwickeln sich die Schülerzahlen bei Ihnen?
Ing. Ernst Römer: Andere Schulen klagen über Stagnation, wir verzeichnen steigende Schülerzahlen – derzeit sind es insgesamt circa 1000, davon 900 angehende Kfz-Techniker.
Die Wertschätzung zum Handwerk ist innerhalb der Gesellschaft wieder gestiegen, denke ich. Die Leute wissen, dass Fachkräfte wichtig sind. Besonders im Bereich der Kfz-Technik hat auch mit der Elektromobilität ein leichter Paradigmenwechsel stattgefunden: Da ist ein Trend, da sind wachsende Zahlen, da wollen auch die Jugendlichen hin – wobei man schon sagen kann, dass viele der Jungen dem persönlichen Interesse nach noch der „Verbrenner­fraktion“ zuzuordnen sind.

Wie sehen Sie die Zukunft der Lehre und der Berufsschule?
Römer: Es ist gerade viel Bewegung in der Gesellschaft, alles ändert sich rasch rund um die großen Themen Umwelt, Energie und derzeit Krieg. Wir werden schauen müssen, wie in dieser Themenlage die Ausbildung in Zukunft ausschauen kann, und müssen uns mit der Zukunft auseinandersetzen. Der Wandel rauscht wie ein Railjet auf uns zu, da müssen wir aufpassen, sensibel sein und schnell reagieren. Aber wir arbeiten mit dem Land und mit der Innung gut zusammen und ziehen an einem Strang.

Ändert sich durch die steigende Komplexität des Berufes durch Digitalisierung im Fahrzeug und in der Werkstatt auch Ihre „Klientel“?
Römer: Das sehe ich eigentlich nicht. Die Digitalisierung geht heute bis in jeden Lebensbereich hinein, die Jungen sind damit groß geworden und gehen damit sehr selbstverständlich um. Es sind eher wir, die Älteren, die Anpassungsschwierigkeiten haben. Natürlich: Beim tiefen Verständnis für das, was dahintersteckt, da beginnt auch bei den Jungen die Herausforderung. Da sehe ich aber eher einen Unterschied zwischen Lehrlingen aus großen Markenbetrieben, welche intern viel von den neuesten Technologien mitbekommen, im Gegensatz zu Lehrlingen aus freien Betrieben.

Wie sieht es denn mit dem Geschlechterverhältnis bei Ihren Schülern aus - werden die Mächen mehr?
Römer: Wir haben etwa 10 Prozent Frauenanteil, also nicht überdurchschnittlich hoch. Das Positive ist, dass sie sich auch z.B. im Lkw-Bereich etablieren und auch in den Betrieben, wenn man so will, ihren Mann stehen. Es gibt vom Land ein Förderprogramm für Mädchen in technischen Berufen.

Betriebe wollen vermehrt gezielt ältere, reifere ­Jugendliche ansprechen. Sehen Sie diese Entwicklung schon bei Ihren Schülern?
Römer: Es gibt eine wachsende Zahl von z. B. HTL-Abbrechern, aber nicht signifikant. Eine aktuelle Entwicklung hingegen ist, dass viele Jugendliche mit migrantischem Hintergrund zur Lehre kommen, die Probleme mit der Sprache haben – nicht der Allgemein-, sondern der Fachsprache. Die sind willig, wollen arbeiten und haben oft in kürzester Zeit recht gut Deutsch gelernt. Aber in der theoretischen Ausbildung haben sie dann große Nachteile, die wir nicht ausgleichen können. Das tut mir richtig weh, da erleiden wir durchaus Schiffbruch. Auch steigt die Gruppe derer, die aus einer sozialen Maßnahme heraus die verkürzte zweijährige Ausbildung machen, das ist schon eine Gruppe, die uns bremst. Das ist schwierig für die Schulorganisation.

Stichwort „Work-Life-Balance“. Sind die Jugend­lichen, die Sie heute erleben, tatsächlich mehr freizeitorientiert als frühere Jahrgänge?
Römer: Ich denke, die Jungen ticken heute nicht viel anders als wir früher tickten. Natürlich hat die Freizeit ihren Wert, aber ich höre nicht, dass jeder nur noch vier Tage pro Woche arbeiten will. Im Gegenteil: Der Lehrling macht gerade deshalb eine Lehre, weil er anpacken will, anstatt weiter zur Schule zu gehen – es gehört dann zu meinen Aufgaben, ihm die Berufsschule als sinnvolle Ergänzung schmackhaft zu machen.

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