Fachkräfte? Mangelware!

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Fachkräfte? Mangelware!
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Der Fachkräftemangel ist eine Herausforderung für die heimische Wirtschaft. In unserer ausführlichen Fokus-Strecke zu diesem Thema kommen Vertreter der Politik, der Arbeitnehmer, der Bildung sowie der Wirtschaft zu Wort.

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"Wir haben aktuell die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit 2012 und einen Allzeit-Beschäftigungsrekord. Gleichzeitig gibt es mehr offene Stellen als je zuvor am Arbeitsmarkt. Das bedeutet, wir können mit dem aktuellen Angebot an Arbeitskräften die Nachfrage nicht vollständig decken“, so Arbeitsminister Martin Kocher. „Die zentralen Gründe für den Fachkräftemangel sind der demographische Wandel und der wirtschaftliche Aufschwung.“ In der Kfz-Branche sei der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt, wie man an der „Stellenandrangziffer“ erkennen könne. Sie zeigt, wie viele vorgemerkte Arbeitslose es pro gemeldeter offener Stelle für einen Beruf gibt. „Seit 2018 haben die Stellenandrangziffern für Kfz-Mechanikerinnen und Mechaniker sowie für Karosserie-/Kühlerspenglerinnen und -spengler ein derart niedriges Niveau erreicht, dass diese Berufe auf die Liste der Mangelberufe in Österreich gesetzt wurden.“

Potenzial besser nutzen
„Reformen am Arbeitsmarkt müssen vor allem bei der Qualifizierung und Vermittlung von Arbeitssuchenden ansetzen und dazu führen, das bestehende Arbeitskräftepotenzial besser nutzen zu können. Darüber hinaus braucht es eine Strategie für geordnete Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem (EU-)Ausland, insbesondere in Mangelberufen“, so Kocher. Außerdem würden eine Trendwende von Teilzeit- hin zu Vollzeitbeschäftigungen und längere Erwerbszeiten dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu entschärfen. Ein weiterer zentraler Bestandteil der aktiven Arbeitsmarktpolitik sei die Frauenförderung durch Programme wie „FiT – Frauen in Handwerk und Technik“.
Für Unternehmen sei es sinnvoll, in die Attraktivität ihrer Arbeitsplätze zu investieren. „Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen, angemessene Gehälter und eine gute Vereinbarkeit von Arbeit und Familie“, so Kocher. Ein nicht zu unterschätzender Faktor seien ältere Arbeitskräfte: „Diese verfügen über ein hohes Maß an Erfahrungen und sind damit ein wertvoller Schatz für jedes Unternehmen, der so lange wie möglich erhalten bleiben sollte.“

Gute Arbeitsbedingungen als Grundvoraussetzung
Für Mag. Martin Schmidhuber, Referent für Arbeitsmarktpolitik in der Abteilung Arbeitsmarkt und Integration der AK Wien, wird der Begriff Fachkräftemangel „mittlerweile sehr inflationär verwendet“, darum sei es „aus unserer Sicht nicht zutreffend bzw. sogar irreführend, pauschal von einem Fachkräftemangel zu sprechen“. Natürlich gebe es aber Branchen, in denen eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften herrsche. Die Gründe dafür seien vielfältig: „Auf der einen Seite haben wir die demographische Entwicklung. (…) Wir sehen aber auch, und das trifft aus meiner Sicht sehr stark die Kfz-Branche, sich rasch ändernde und steigende Anforderungen der Arbeitswelt. Ich denke hier an das Thema Digitalisierung.“ Auf dem Arbeitsmarkt gebe es aber noch Potenzial, das genutzt werden könne: „Das sind zum einen arbeitslose Personen, zum anderen reden wir von der sogenannten stillen Reserve. Das sind Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen könnten, aber aus verschiedensten Gründen derzeit nicht zur Verfügung stehen. Hier braucht es eine Änderung der Rahmenbedingungen, um zum Beispiel die Frauenbeschäftigungsquote erhöhen zu können.“
Im Hinblick auf die stille Reserve fordert Schmidhuber eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Hier sehen wir auch in den technischen Berufen Möglichkeiten, die Erwerbsquote der Frauen zu erhöhen.“ Zusätzlich müsse schon in der Erstausbildung die Berufsinformation gestärkt werden. „Ein weiterer Punkt ist die Förderung der Lehre, weg von den Sonntagsreden hin zu einer besseren Qualität der Lehrausbildungen und auch einer Förderung der sogenannten überbetrieblichen Lehrausbildung. Wichtig wären auch tatsächlich existenzsichernde Qualifizierungsförderungen, damit Personen Aus- und Weiter­bildungen nutzen können.“
Die Unternehmen sieht Schmidhuber beim Thema Aus- und Weiterbildung in der Pflicht: „Ich habe die Digitalisierung, gerade im Kfz-Bereich, schon erwähnt. Hier braucht es kontinuierliche Investitionen der Unternehmen in die berufliche Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier sehen wir die Tendenz eher in die Gegenrichtung, das macht uns durchaus Sorgen.“ Allgemein seien gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen eine Grundvoraussetzung, aber auch ein inklusiveres Rekrutierungsverhalten: „Was ich damit meine, ist, dass man auch Personen eine Chance gibt, die es auf dem Arbeitsmarkt bisher schwer gehabt haben.“

Katzian: Wird zu wenig ausgebildet
Die Frage nach den Gründen für den Fachkräftemangel könne ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian nur allgemein beantworten: „Weil zu wenig ausgebildet wird, der Fachkräftemangel ist in vielen Branchen hausgemacht. Oft passen die Rahmenbedingungen auch nicht, wie der jährliche ,Lehrlingsmonitor‘, eine gemeinsam von ÖGB, ÖGJ und AK durchgeführte Umfrage, deutlich macht – aktuell sind 2 von 3 Lehrlingen mit ihrer Ausbildung unzufrieden.“ Möglichkeiten für Unternehmen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind laut Katzian „erstens selbst (mehr) auszubilden und zweitens nicht nur auf die Qualität der Ausbildung, sondern auch auf faire Arbeitsbedingungen zu achten. Die Praxis bestätigt, was der Hausverstand sagt: Wer seine MitarbeiterInnen gut bezahlt und behandelt, der hat auch weniger Personalsorgen, weil die Leute im Unternehmen bleiben.“
Von der Politik fordert Katzian in diesem Zusammenhang fördernde Maßnahmen: „Es geht um gezielte Investitionen in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und nicht um Ideen, die Lohn- und Sozialdumping fördern, oder um die Rekrutierung von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, wie das beispielsweise für die Pflege immer wieder vorgeschlagen wird.“ Um Arbeitssuchenden und Unternehmen eine Perspektive geben zu können, fordere der ÖGB mehr Arbeitsstiftungen. „Der Vorteil bei der Ausbildung in der Arbeitsstiftung ist, dass Arbeitslose schon beim Eintritt wissen, wo sie später arbeiten werden und gleichzeitig finanziell abgesichert sind. (…) Das Stiftungsmodell wäre unserer Ansicht nach in jeder Branche realisierbar“, so Katzian.

 

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