Zuerst die Pandemie und in weiterer Folge auch die Halbleiterkrise haben in den vergangenen zwei Jahren deutliche Auswirkungen auf den GW-Markt gebracht und – bedingt durch mehrere Lockdowns und dem zwischenzeitlichen Nachholbedarf – zu einer Achterbahnfahrt mit mehreren Spitzen- und Tiefpunkten geführt. Insgesamt sind die Verkäufe ebenso wie die Preise gestiegen, die Bestände gesunken. Nach den jüngsten Zahlen des Indicata Market Watch, wo die B2C-Online-Verkäufe von Gebrauchtwagen registriert und analysiert werden, gehen die Verkäufe nun zurück und es scheint sich eine Bestandkrise zu entwickeln.
Nach zwei guten Gebrauchtwagen-Jahren fehlt schlichtweg der Nachschub. Dabei nennt Indicata Fehlen von Ferien- und Geschäftsmietwagen durch den Corona-bedingte Reiserückgang als ein Beispiel. Laut Indicata kauft der Mietwagen-Sektor mehr als 1,5 Millionen Neuwagen pro Jahr, die im Alter von etwa einem Jahr auf den GW-Markt kommen. Fehlende Neuwagen generell und der Rückgang der taktischen Zulassungen (Kurzzulassungen) aufgrund der Chipkrise verstärken den Mangel an jungen GW.
Indicata geht in der Analyse davon aus, dass die Halbleiterproblematik nicht vor Ende des Jahres gelöst sein wird. Das würde zu weiteren Versorgungsengpässen führen. „Da die Lagerbestände so stark zurück gehen, erreichen die Gebrauchtwagenpreise auf vielen Märkten Rekordhöhen und nähern sich sogar dem Punkt, an dem ein Gebrauchtwagen unter den richtigen Umständen mehr wert ist als ein Neuwagen“, so die Indicata-Analysten. Damit sollten sich die Preise allmählich stabilisieren. Für einen Preisrückgang gibt es in den meisten Ländern aber keine Anzeichen.
„Da die Nachfrage gut ist und die Lagerbestände sinken, steigen die Preise in Österreich weiterhin stark an und es könnte zu weiteren Preissteigerungen kommen, bevor sie ihren Höhepunkt erreichen“, so Andreas Steinbach von Indicata zur Situation in Österreich.
