„Futurist“ Gerd Leonhard bereitete die Defätisten im Saal auf das Ende der heutigen Marktwirtschaft vor, beantwortete jedoch nicht die Frage, wie all die Roboter, die uns in Kürze auch die Tagesarbeit abnehmen werden, unser Leben erhalten können, unsere Steuern bezahlen usw. Den Weg vom „Ego- zum Ecosystem“ mit bis zu 50% Effizienzsteigerung (für wen?), 70% Leistungsverdichtung (wofür?) und 90% Produktions- und Arbeitskosteneinsparungen (wem hilft es?) mag zwar dem Zukunftsdeuter zur Pointen-Gestaltung taugen, nicht jedoch der Hinführung zu einem krisenfreien Lebensumfeld.
Da nützt es auch nicht, mit dem Begriff „Re-Humanisierung“ mit dem Technologiewandel wortreich zu jonglieren. Man hörte sich das an, um am Ende bodenständig zu bemerken, dass sich jeder seinen Pullover selber stricken muss. Wenn er es noch kann. Öffentlich nicht definierte 308.500 Pkw-Neuzulassungen (inkl. 29.000 tages-zugelassene Fahrzeuge, die auch Monate nach Statistikzeitraum 1 bis 12/2015 keinen Käufernamen tragen werden) sollen die Regierung dazu bewegen, eine Öko-Prämie zu gewähren, wo sie doch das Automobil weg von der Straße haben will.
Das versteht beim zahlenmäßig ausgewiesenen Jahreserfolg keiner, außer die Importeure. Eurotax-Gastgeber Heiko Haasler und Martin Novak bedienten in ihrer Veranstaltung geschickt die iPads, um mit positiven Umfragewerten die Stimmung zu befeuern. 70% aller befragten Kunden sind demnach mit ihrem Geschäftserfolg „sehr zufrieden“ und nur 15% sehen ihre Existenz in der fortschreitenden Digitalisierung gefährdet. Leonhard: „Bis 2035 oder auch schon früher definiert sich der Wertebegriff Auto neu!“ Bis dahin, so aus dem Auditorium, hat es ja noch Zeit, um den Scheitelpunkt zum ultimativen Technologiewandel zu erkennen.
Für Leonhard ist das zusammengefasst ein „HöllenHimmel“, für die Optimisten im Saal wird sich seine Betrachtung zu 90% im Himmel abspielen, suggeriert seine Power-Point-Präsentation. Anschließend beim Netzwerken trafen sich mehrheitlich die Vertreter der „guten alten Zeit“, die auch nicht besser war und jene, die sich gegenwärtig auf Jobsuche befinden oder neue Marktchancen außerhalb des Optimierungsprozesses suchen.
Nehmen wir davon mal Dr. Felix Clary aus, der mit 67 seinen Funktionärsjob als Sprecher der Fahrzeugimporteure aufgibt, in den Einzelhandel (Wiesenthal-Vorstand) wechselt, um all den Kritikern aus dem Handel zu zeigen, was im Autohandel Sache ist. 2017 werden wir seine Erfolge als Benchmark verlautbaren, woran sich der Autohandel zukunftssichernd orientieren kann.
Der 13. Jänner 2016 war also ein Glückstag für die Fahrzeugbranche und wir werden bei der 47. Auflage des Eurotax-Empfangs im Jänner 2017 dann wieder viel mehr aktive und erfolgreiche Autohandelsunternehmer treffen als diesmal. Aber wie verträgt sich das alles mit dem vom Zukunftsforscher zeitnah prognostizierten robotergesteuerten „Ecosystem“ mit immer weniger Erwerbstätigen?
Die Re-Humanisierung wird zum Paternoster zwischen Himmel und Hölle. Übrigens: Das Haus der Industriellenvereinigung, Sitz des Arbeitskreises der Importeure, nutzt dieses Transportmittel, damit der Fahrzeughandel je nach Gemüts- und Wirtschaftszustand zum Himmel oder zur Hölle fahren kann.
