Um überlebenswichtige 13 Meter ist der Nass-Bremsweg des ContiWinterContact TS 850 kürzer als jener des asiatischen Billig-Reifens im ADAC-Reifentest. Statt nach 36,2 Metern bleibt das Fahrzeug mit der Billigbereifung erst nach 49,6 Metern stehen. Hinsichtlich Preis und Qualität ist das Ergebnis wenig überraschend, wäre da nicht das berühmt-berüchtigte EU-Reifenlabel. Denn hier sind die beiden Reifen in der Kategorie-Nassgriff mit der Kategorie C identisch gekennzeichnet.
„Dieser extreme Fall von mehr als 13 Metern Differenz innerhalb einer Nassgriff-Labelklasse ist nicht der erste in der Reifenindustrie“, beklagt Christian Koetz, Leiter des Pkw-Reifen-Ersatzgeschäftes bei Continental Reifen. „Diese massiven Verstöße müssen endlich auch angemessene und damit abschreckende Strafen nach sich ziehen. Sonst wird die europäische Industrie durch die eigenen Gesetze nennenswert benachteiligt.“
Die Aufregung des Reifenmanagers, der gleichzeitig auch als Präsident der European Tyre & Rubber Manufacturers’ Association (ETRMA), dem Dachverband der Reifenhersteller, fungiert, ist verständlich. Wem nützt schließlich eine vermeintlich offizielle Qualitätsbeurteilung, die den Aufkleber nicht Wert ist, auf dem sie gedruckt ist.
In Wahrheit ist es die endgültige Bankrotterklärung eines Gesetzes, das zumindest beim österreichischen Reifenhandel ohnedies keine Bedeutung hat. Die Konsumenten vertrauen der Empfehlung des Handels deutlich mehr als einem EU-Label. Egal, ob es letztlich stimmt oder nicht.
