Gleich die Seite 2 aufgeschlagen, gesteht Wirtschafts-Staatssekretär Harald Mahrer ein, dass niemand gern „Die heißen Eisen“ in der evidenten Stillstandsverwaltung angreifen will. Eine Seite weiter duldet Generalsekretär Christoph Neumayer in der Politik „Keine Ausreden mehr“ und kritisiert die einseitigen ideologischen Zuschreibungen, denen die Fakten – und auch die Meinungsgrundlage – fehlen.

 

Dabei scheitert die Reformwilligkeit gerade an der Trägheit der Parteien. Beispiel: Bei der „Elefantenrunde“ dieser Tage im ORF sprach keiner der 5 Rathauspartei-Vertreter über Arbeitsplatzbeschaffung. Dabei ist die Lage am heimischen Arbeitsmarkt problematisch, pflichten wir IV-Präsident Dr. Georg Kapsch in seinen Ausführungen auf Seite 4 bei. Einem echten Turnaround müssten jedoch mutige Veränderungen folgen. Alles auf den Punkt gebracht, nur scheitert auch die IV an der Reformbereitschaft.

 

Also verbreitet man sich auf Web-Plattformen wie www.transparentepolitik.at in Worthülsen, spricht der Bildung als Schutz gegen Arbeitslosigkeit das Wort. Petra Draxl, AMS-Wien-Geschäftsführerin, macht den Kompetenzcheck zur Feststellung der Berufsqualifikation und gegen Ende dieser Schrift zieht IV-Chefökonom Christian Helmenstein für die Österreich AG ernüchternd „Bilanz einer Werterosion“. Macht alles nichts, denn die immer weniger werdenden Entscheider machen sich in Strategieforen ohnehin fit für die Zukunft.

 

Wolfgang Hesoun, Präsident der IV Wien, spricht dem Wirtschaftsstandort in der Bundeshauptstadt artig das Wort und IV-Mitgliedsunternehmen statten mit Steuermitteln und technischen Überbleibseln zugesperrter Industriestandorte Österreichs erste „Industrie 4.0 Pilotfabrik“ aus. Das alles dient dem Wissens- und Technologietransfer in globalen Märkten, nicht jedoch lokalen Bedürfnissen, den Arbeitsmarkt frisch zu beseelen.

 

Jobs gehen reihum verloren und neue sind Mangelware. Aber wen interessiert das in unseren Institutionen? Die Industriellenvereinigung ist wahrlich nicht allein mit diesem Verhalten.

 

Am Sonntag ist Wahltag in Wien – und egal welche politischen Gruppierungen Gewinner und Verlierer sein werden, die Bevölkerung unserer Republik mit und ohne Migranten bekommt politisch ein farbenfrohes Auge geschlagen. Die Stimmenanteile werden neu geordnet und wieder wird alles beim alten bleiben. „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“, spricht der Volksmund. Und der hat am Ende immer recht.