Die Meinung der rund 200 bei der Präsentation anwesenden BRV-Mitglieder zum bisher Erarbeiteten war geteilt. Zum einen diejenigen, deren Erwartungshorizont an das Projekt offensichtlich zu groß war. Sie hatten sich wohl sofort umsetzbare Maßnahmen erhofft, die keine Vorbereitungszeit benötigen. Zum anderen gab es Reifenfachhändler, die positiv erwähnten, dass der BRV den nicht zu übersehenden Strukturwandel in der Branche aktiv begleite. Angesichts der Resonanz der BRV-Mitglieder trat auf Seiten des BRV-Vorstandes, der seit dem Frühjahr 2015 die Arbeit von Roland Berger in zahlreichen Workshops begleitet hatte, eine gewisse Ernüchterung ein.
Das Engagement der BRV-Mitglieder blieb trotz Urgenzen überschaubar. Dennoch will sich Hülzer davon nicht entmutigen lassen und das Projekt „Roland Berger“ fortsetzen. Weitere Maßnahmen der sogenannten Maßnahmenlangliste (deren Priorisierung sich der BRV von den Mitgliedern gewünscht hätte) werden konkretisiert. Derzeit zeichnen sich Dynamische Preisgestaltung, Fahrzeugservice, Optimierung Kundenerlebnis im Wartebereich, Hol- und Bringservice, Auswertung von Kundendaten mit externen Partnern, Außen-/Innendienst, Stromtankstelle und Lkw-Flottenservice als Themen ab.
Des Weiteren wird über die Bildung der von Roland Berger dem Händler empfohlenen Umsetzungs-Task-Force nachgedacht. Parallel soll ein „Kommunikationspapier gegenüber den Herstellern“ entwickelt werden. Die mehrstufige Studie verfolgt das Ziel, dem Reifenfachhandel dabei behilflich zu sein, sich angesichts des Strukturwandels fortzuentwickeln. Tatsache ist, dass es Händler auf unterschiedlichsten Entwicklungsständen gibt, die jeweils mit unterschiedlichen Umsetzungsschritten agieren müssen, um ein professionelles Niveau zu erreichen. 2015 sollte laut Hülzer genutzt werden, um z.B. Mindeststandards zu erfüllen, wie sie im bereits veröffentlichten Projektbericht definiert sind.
Bereits ohne großes Investitionsvolumen und lange Vorbereitungen könnten schon heute viele Kernelemente dieser Mindeststandards adressiert werden, um als attraktiver Vermarkter zu gelten. Sind sie erreicht, sollten dann im nächsten Schritt bis 2018 Maßnahmen zur Erweiterung der traditionellen Geschäftsfelder des Reifenfachhandels ergriffen werden. Die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells setzt ein hohes Maß an Leistungs- und Veränderungsbereitschaft voraus. 2020 sollte dann das Jahr sein, in dem ein neues Geschäftsmodell etabliert ist.
Der Weg hin zum Geschäftsmodell Zukunft führt von Maßnahmen zur Schaffung einer professionellen und zeitgemäßen Geschäftsbasis „Heute“ bis zu innovativen Zukunftsthemen für das „Morgen“ und „Übermorgen“ der Branche. Das Roland-Berger-Projekt zeigt hierfür Ansatzpunkte auf – diese Ansätze muss der Unternehmer vor Ort allerdings selbst evaluieren, auswählen und individuell umsetzen.
