Offensichtlich setzen die Hersteller – mehr denn je – auf den Wow-Effekt des Moments. Wirkliche Emotionen wecken die glitzernden und mit allerlei technischem Schnickschnack gespickten Ausstellungsobjekte dennoch nicht. Autokauf ist aber Emotion pur, ist diese beim Kunden einmal geweckt, hat man bislang gewonnen.
In der neuen digitalen Welt haben Emotionen wenig Platz. Auch wenn Manager dem Autonomen Fahren eine große Zukunft prophezeien, stellt sich die Frage, wie weit Kunden mit ihren Fahrzeugen auch noch emotional verbunden sein werden. Neue Wertschöpfungsmodelle schaffen neue Konkurrenz, die alte Wertschöpfungsmodelle erstickt.
Autohändler aller Marken wären demnach blöd, weiter in die Architektur konservativer Autohäuser zu investieren. Denn damit laufen Hersteller auch Gefahr, nur mehr reine, jederzeit austauschbare Mittel zum Zweck herzustellen, in denen die Kunden der Zukunft gelangweilt Platz nehmen, um sich Augenblicke später per mitgeführtem Computer wieder in die digitale Welt zu verabschieden.
Übrigens eignet sich das iPhone hervorragend für die Flucht vor der Armut, wie die Bilder um die Welt gehen. Im Scheinwerferglanz von Kanzlerin Angela Merkel fabulieren die Topmanager Wertschöpfungspotenzial in Milliardenhöhe, nur sieht die Bedarfsplanung keine Schaffung von Arbeitsplätzen mehr vor. Neue Geschäftsmodelle wird es geben, ohne Zweifel. Den Reibach machen wenige mit der Digitalisierung des Kundenerlebnisses, die einher geht mit der Digitalisierung der Unternehmensprozesse.
Spaß am Fahren bringt vor allem, ein Auto auch selbst steuern zu dürfen. Hat einmal der Computer das Lenkrad übernommen, könnte auch die Freude am Fahren und damit auch das Bedürfnis, ein eigenes Fahrzeug besitzen zu wollen, bald und nachhaltig abhanden kommen.
Apple pirscht sich in dieser Goldgräberstimmung schon heran, um das Autopublikum für neue Mobilitätsformen zu erwärmen und flugs gehören sie selbst zu dieser Kaste – zu Lasten der etablierten Herstellerriege. Stichwort Nokia gefällig? Mir kommt vor, die Hersteller bereiten eine Antwort auf die Zukunft der Autohändler vor. Sie wollen nur Kosten sparen und Kundendaten nutzen, um ihre Abhängigkeit von den Händlern zu verringern.
Apple und Google können sich, geht es in diese Richtung, bereits die Hände reiben. Und die IAA, die für ihre Berichterstatter nicht einmal mehr Wasser und Kaffee übrig hat, kann ihre gigantischen Hallenkapazitäten gleich dem globalen Flüchtlingsstrom zur Verfügung halten. Wasser, Strom und Internet steht ja schon zur Verfügung und eigenes Auto brauchen sie auch keines. Es wird kalt und immer kälter.
