Das ab 1.11. für alle Pneus, die nach dem 1.7.2012 produziert wurden, geltende Label wird vom Autofahrerklub grundsätzlich begrüßt. Reifenexperte Friedrich Eppel weist jedoch darauf hin, dass beim Reifenlabel nur 3 Kriterien berücksichtigt werden. Davon sei lediglich eines (das Nassbremsverhalten) für die Verkehrssicherheit relevant. „Werte für Fahreigenschaften auf trockener Fahrbahn, bei Aquaplaning, auf Schnee und Eis sowie Verschleißeigenschaften sind auf dem Reifenlabel beispielsweise nicht berücksichtigt", kritisiert Eppel. Beim „eigenen“ Winterreifentest beurteile man dagegen 19 Kriterien, darunter 14 Sicherheits- und 5 Umweltmerkmale.

 

Zu den weiteren Kritikpunkten von Eppel zählen die mögliche Irreführung der Reifenkäufer: „Die Label-Einstufungen machen keinen Unterschied zwischen verschiedenen Reifentypen, zum Beispiel Sommer- oder Winterreifen. sowie unterschiedlichen Dimensionen. Daher sind die Werte für Laien oft nur schwer nachvollziehbar." Außerdem würden beim Rollwiderstand die Bewertung „D" sowie beim Nassbremsen „D" und „G" prinzipiell nicht vergeben: „Beim Vergleich verschiedener Modelle durch den Konsumenten kann das zu falschen Entscheidungen führen“, bedauert Eppel.

 

Der ÖAMTC-Experte hält darüber hinaus fest, dass die den Klassifizierungen zugrunde liegenden Angaben von der Industrie selbst und nicht etwa von einer zentralen Stelle kommen: „Die Frage nach der Kontrolle der Label-Werte ist außerdem nicht einheitlich geregelt, sondern obliegt den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten.“

 

„Von einer Kaufentscheidung nur nach den Werten am Reifenlabel ist abzuraten“, betont der ÖAMTC. Das Reifenlabel sei „in der derzeitigen Form lediglich eine Ergänzung“ und mache „die Fachberatung durch den Reifenhändler oder unabhängige Reifentests keineswegs obsolet“.