Ein schlechtes Beispiel lieferte diese Woche die ORF-Sendung „konkret“. Ein Produkt aus der Volkswagengruppe ärgerte einen Fahrzeughalter und Burkhard W. Ernst als Bundesgremialobmann argumentierte vor laufender Kamera im Sinne des Markenhandels, ein Kfz-Mechnikermeister aus Wien-Simmering für das ungebundene Gewerbe. Während der Schrauber frei von der Leber redete und damit offensichtlich seine Zuseher überzeugen konnte, kehrte Ernst den Verteidiger der gebundenen Autohäuser hervor und wurde dafür vom Publikum abgewatscht. „Fehler abstreiten, Versäumnisse klein reden, Kunden übers Ohr hauen, andere für dumm hinstellen“, zitieren wir zum Beispiel eine Familie Mittermaier über seine „glorios“ zur Schau gestellte Taktik, „die stark an die Vorgangsweise unredlicher Versicherungsvertreter erinnert.“
Und weiter: „Selbst Opfer des ebenso kundenverachtend agierenden Kfz-Händlers Porsche Liesing, finden wir die Haltung des ,Kfz-Bundesgremialvorsteher’ Kunden gegenüber, wie im gezeigten Reklamationsfall zum Ausdruck gebracht, zum Kotzen und übermitteln Ihnen hiermit unsere volle Verachtung.“
Es soll an dieser Stelle weder der gezeigte Vorfall kommentiert werden und auch nicht der Auftritt von Herrn Ernst, sondern die Tatsache, dass sich kein Herstellervertreter vor die Kamera stellt, um Fraktur zu reden. Nein, Hersteller und Importeur reden im Scheinwerferlicht lieber über Innovation und dass nichts quietscht im Fahrzeug – während sich Fachleute an der Kundenfront als Lügner hinstellen lassen müssen. Unsere Recherchen haben ergeben, dass das gegenständliche und eigenimportierte Fahrzeug Vorgänge in der Kundenhandhabung aufwies, die durch eine Interpretation des Importeurs in einem anderen öffentlichen Licht glänzen hätte können.
Herrn Ernst muss spätestens jetzt klar sein, dass seitens keines Herstellers in öffentlich gemachten kritischen Fällen Hilfe zu erwarten ist und er sich damit dem Vorwurf der „Präpotenz eines Kämmerers“ und sich als „Promi“ fühlenden Kfz-Händlers ungestraft gefallen lassen muss.
Der ORF hat seine Einschaltquote und die Kfz-Branche ihre nächste Ohrfeige. Der Herstellervertreter wäscht seine Hände in Unschuld. Fragt sich, was – in Demut vor dem Kunden gedacht – das klügere ist? Da kann Porsche in Wien-Liesing ansonsten ihr makelloses Zeugnis zeigen und Ernst sich die Zunge für seine Zunft wund reden. Ohne Zusammenhalt zwischen Hersteller-Importeurs- sowie Handels- und Gewerbeinteresse bei der Abwehr falscher Behauptungen in der Öffentlichkeit werden Marken- wie freie Kfz-Betriebe in der Kundengunst weiter verlieren, als ob der Automarkt nicht ohnehin schon genug Prügel beziehen müsste.
