Wenn Ossi Matic zurückblickt, war sein Start in Österreich alles anders als einfach. Seine Eltern waren bereits hier, er ist bei seiner Großmutter aufgewachsen und erst als Achtjähriger im Jahr 1979 aus Banja Luka (Bosnien) nach Wien gekommen. „Ich hatte zunächst null Sprachkenntnisse und konnte mir Deutsch innerhalb von sechs Monaten aneignen. Mir ist nichts anderes übriggeblieben.“ Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Installateur für Gas-Wasser-Heizung und hat in Folge auch in dieser Branche gearbeitet. Nach einigen weiteren, unterschiedlichen beruflichen Stationen bildete die Gründung einer Kfz-Werkstatt in Brunn am Gebirge im Jahr 2008 den eigentlichen Anfang von Lucky Car.

Immer wieder Gegenwind

„In Österreich hat es damals für uns kaum echte Akzeptanz gegeben“, so Matic, und das habe sich erst geändert, als andere Nationalitäten wie Türken oder Syrer verstärkt ins Land kamen. Dann hätten sich die Feindbilder von früher verschoben. „Die ‚Jugos‘ waren auf einmal die Guten, die gut Integrierten“, erinnert sich der Lucky-Car-Gründer. Trotzdem war er mit einigem Gegenwind konfrontiert: Die Politik zeigte wenig Akzeptanz, die Finanz- und andere Behörden kontrollierten Betriebe von Eigentümern mit Migrationshintergrund vielleicht ein wenig strenger und öfter als andere.

Begabung und Arbeitswille zählen

All diesen Widrigkeiten hat Matic getrotzt, und bis heute ein Netzwerk von über 60 Kfz-Betrieben in Österreich geschaffen. Diese mit Fachkräften auszustatten, funktioniert heutzutage nur mit einem multikulturellen Ansatz. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von ihrer kulturellen Herkunft bunt durchgewürfelt. Für mich ist nicht wichtig, wo die Person herkommt, sondern ob sie technisch begabt und arbeitswillig ist und kontinuierlich dazulernen will“, hält Matic fest. Mit Beschäftigten aus anderen Kulturkreisen hat er durchweg gute Erfahrungen gemacht: „Sie sind oft hungriger, die müssen und wollen auch“, ist sein Eindruck.

Wer etwas will, muss etwas dafür tun

Genau diese Eigenschaften vermisst er bei den „gestandenen Österreichern“ das ein oder andere Mal. Er selbst schont sich wenig, der Begriff „Work-Life-Balance“ lässt seinen Blutdruck eher steigen als sinken. Hierzulande hätten viele ihren Wohlstand durch Erben erlangt und müssten nicht mehr an berufliche Leistungsgrenzen gehen, meint Matic. Und auch vom oftmals bemühten Begriff der „Community“ hält er wenig. „Das gibt es alles nicht mehr. Meine Kinder sind Österreicher, ich bin Österreicher. Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft.“