Die Zukunft der Mobilität lässt sich nicht auf eine einzige Antriebstechnologie reduzieren. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt der Eröffnung des 47. Internationalen Wiener Motorensymposiums in der Wiener Hofburg. ÖVK-Vorsitzender Univ.-Prof. Dr. Bernhard Geringer rief zu einer neutralen und umfassenden Diskussion über Antriebe auf. Dabei müssten nicht nur der reine Fahrzeugantrieb, sondern auch Energieverfügbarkeit und der gesamte Treibhausgasausstoß berücksichtigt werden.

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Rund 100 Vortragende sowie etwa 1.000 internationale Gäste aus mehr als 20 großen Automobilnationen nehmen an der dreitägigen Fachveranstaltung teil. Vertreten sind unter anderem China, Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Korea und die USA. Inhaltlich reicht das Spektrum von Antriebstechnologien für Pkw und Nutzfahrzeuge bis hin zu Schienenfahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen. Geringer verwies darauf, dass heuer erstmals fast die Hälfte der Vorträge von Herstellern, also OEMs, komme. Zudem sei das eingereichte Themenspektrum so breit wie noch nie.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung fand in Wien das „Forum on Powertrain for Sustainable Mobility“ statt. Die Fachveranstaltung wurde vom Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik in Kooperation mit der chinesischen Society of Automotive Engineers, China SAE, organisiert.

China setzt auf Elektrifizierung, Digitalisierung und KI

Einen Einblick in den chinesischen Markt gab Ruiping Wang, Senior Vice President von Geely Auto. China sei als weltweit größter Automobilmarkt führend bei der groß angelegten Elektrifizierung. Gleichzeitig beschleunige die Digitalisierung den Wandel hin zu KI-gestützter Intelligenz im Fahrzeugsektor.

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Wang verwies auf die im Vorjahr veröffentlichte chinesische „Roadmap 3.0 für energiesparende neue Kraftfahrzeugtechnologien“. Diese definiere die künftigen technologischen Wege des Landes im Bereich neuer Energien. Im Fokus stünden hocheffiziente Antriebsstränge, Batterien, Elektromotoren, elektronische Steuerungen sowie Anwendungen künstlicher Intelligenz.

Pischinger: Kein „Entweder-oder“ beim Antrieb

Auch Univ.-Prof. Stefan Pischinger, Institutsleiter des Lehrstuhls für Thermodynamik mobiler Energieumwandlungssysteme an der RWTH Aachen und Aufsichtsratsvorsitzender von FEV, sprach sich gegen eine zu stark vereinfachte Antriebsdebatte aus. Die Diskussion werde noch zu häufig als „Entweder-oder“ geführt. Die globale Transformation sei jedoch keine binäre Entscheidung, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Regulierung, Marktanforderungen, technologischer Reife und industrieller Umsetzungsgeschwindigkeit.

Daraus ergebe sich für die Industrie eine klare Konsequenz: Es gehe nicht um „den“ Antrieb der Zukunft, sondern um ein robustes und resilientes Technologieportfolio.

Hyundai betont technologische Offenheit

Aus der Republik Korea war Donghee Han, Executive Vice President der Hyundai Motor Company, nach Wien gekommen. Er beschrieb Hyundais Weg in der Antriebstechnik nicht nur als Abfolge technologischer Meilensteine, sondern auch als Ergebnis einer Kultur der Bescheidenheit. Das Unternehmen wachse, indem es von der Welt um sich herum lerne.

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Han verwies auf den Leitsatz des Unternehmensgründers: „Habt ihr es überhaupt versucht?“ Diese Haltung inspiriere Hyundai weiterhin bei der Entwicklung von Elektroantrieben und Range-Extender-Technologien der nächsten Generation.

Traton setzt auf modulare Architektur

Für den Nutzfahrzeugbereich skizzierte Niklas Klingenberg, Vorstandsmitglied der Traton Group, die Zukunft des Antriebsstrangs. Unter dem Dach der Traton Group R&D mit rund 12.000 Mitarbeitenden entstehe das Traton Modular System für die vier Marken Scania, MAN, International Auto und Volkswagen Truck & Bus.

Dieses System soll batterieelektrische, konventionelle und alternative Antriebsstränge in einer modularen und skalierbaren Architektur vereinen. Dadurch könnten technologische Synergien genutzt und Entwicklungsarbeit effizient gebündelt werden. Gleichzeitig ermögliche die Modularität eine flexible Reaktion auf geopolitische und technologische Veränderungen.