Die im Händlervertrag vorgeschriebenen Standards und Investitionen beschäftigen die Branche seit Jahrzehnten. Zuletzt wurde eine Aussage des kürzlich verstorbenen Branchenvertreters Komm.-Rat Ing. Josef Schirak in seinem Nachruf zitiert: „Mit neuen Fliesen verkaufen wir kein einziges Auto zusätzlich“, hat Schirak beim A&W-Tag 2014 gesagt.

Seit Nach-Nachfolger als Bundesgremial-Obmann, Komm.-Rat Klaus Edelsbrunner, hat das Thema zehn Jahre später beim A&W-Tag 2024 in den Fokus gestellt.: „Jetzt ist die falsche Zeit für neue Standards. Dem Kunden ist es egal, ob die Fliesen jetzt grau oder dann blau sind.“

Die in Nuancen andersfärbigen Fliesen stehen stellvertretend ganz oben auf der Kritik-Liste, bei manchen Marken sind es notwendige Umbauten oder eine neue CI, die aufregen und belasten. Verständlicherweise brauchen nicht nur Modelle und Logos eine Auffrischung, sondern auch der Auftritt der Vertriebs-Standorte. Aber das muss mit Maß und Ziel und in Relation zum wirtschaftlichen Erfolg stehen. Gekürzte Margen passen ganz und gar nicht zu steigenden Kosten.

Schulungen und Spezialwerkzeuge
Zuletzt wachsen zudem die Kosten im AfterSales-Bereich: Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Fahrzeuge sowie der neuen Antriebe steigen die Ausgaben für Schulungs-Aufwand (online und offline) sowie vorgeschriebene Spezialwerkzeuge. Deren Sinnhaftigkeit wollen wir hier nicht anzweifeln, aber in jedem Fall wäre Augenmaß gefragt. Speziell für kleinere Betriebe (und selten genutzte Werkzeuge) wäre entweder eine gemeinsame Anschaffung (und Nutzung) mit Markenkollegen oder eine Mietlösung sinnvoll, wie sie manche Importeure selbst oder etwa WB Mobility Market anbieten. Vor allem, weil es sich nicht um Pannenwerkzeuge handelt, sondern um Tools für Garantiearbeiten, die ohnehin erst freigegeben werden müssen und wo Ersatzteile erst bestellt werden müssen.

Der Verband der Österreichischen Kraftfahrzeugbetriebe (VÖK) hat sich für heuer das Thema Kosten auf die Agenda gesetzt. Die wirtschaftliche Situation ist bei vielen Betrieben mittlerweile so heikel, dass diverse Kooperationen, Software- und Zeitungs-Abos, ja sogar die Zeit der Schauraum-Beleuchtungen hinterfragt werden. Teure Spezialwerkzeuge sind bei der momentanen Kosten- und Margen-Struktur schlichtweg nicht mehr leistbar.

Dass bei diesen vorgeschriebenen Investitionen – über vorgegebene Lieferanten – auch die Hersteller mitprofitieren, wollen wir nicht unterstellen. Schließlich wäre das gegen jeden partnerschaftlichen Gedanken, der in schwierigen Zeiten wichtiger ist denn je. Und das weiß man bestimmt auch in den Konzernzentralen.

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