Möglicherweise war BYD von Anfang an nicht gut beraten mit der Entscheidung, einen schwedischen Importeur – die Firma Hedin – mit dem Geschäft in Deutschland zu beauftragen: Einem Unternehmen, das auf dem wichtigsten Automarkt Europas (rund 3 Millionen Neuwagen pro Jahr), zwar seit Jahrzehnten als Mehrmarkenhändler tätig war, im Import zuvor aber noch nicht viel Erfahrung hatte. Es kam, wie es kommen musste: Offenbar wurden die falschen Entscheidungen getroffen, vielleicht schon bei der Auswahl der Mitarbeiter und/oder der Händler. Und spätestens, seit die Förderungen durch die Bundesregierung im Dezember 2023 quasi übers Wochenende gekappt wurden, brach der E-Auto-Markt vollends ein. 

1.432 BYD-Neuzulassungen bis Ende Juli in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache – das ist ein Marktanteil von 0,1 Prozent. Nicht einmal das (sicher nicht günstige) Sponsoring während der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land habe das Geschäft positiv beeinflusst, heißt es. Zum Schluss dürfte es jedenfalls ordentlich gekracht haben: Hedin schickte am Freitag (30. August) um Punkt 10 Uhr zwar eine Meldung über das Ende der Vertriebsaktivitäten aus, musste diese Meldung aber um 13:12 Uhr „aus internen Gründen“ zurückziehen. „Der Inhalt bleibt gültig, jedoch bitten wir Sie, sich künftig an die offiziellen Informationen von BYD Deutschland zu halten“, hieß es lapidar. 

Man darf gespannt sein, ob BYD nun sein ehrgeiziges Ziel von 120.000 Verkäufen in Deutschland im Jahr 2026 erreichen wird… Was das für Österreich bedeutet? Offenbar dürften BYD (mit 2.095 Neuzulassungen bis Ende Juli) und 1,36 Prozent Marktanteil und MG (mit sogar 2.529 Einheiten und 1,64 Prozent Marktanteil in den ersten 7 Monaten, allerdings inkl. Plug-in-Hybriden und reinen Benzinern) hierzulande einiges richtig machen. 

Der vielleicht größte Vorteil: Die Manager der beiden Töchter der Wolfgang Denzel AG kennen das österreichische Geschäft, haben engagierte Händler ausgewählt und schneiden die Produkte auf die Bedürfnisse der Kunden zu. Dementsprechend rund läuft das Werkl, wenn auch nur mit massivem persönlichem Einsatz. Das Beispiel Deutschland ist allerdings Warnung genug, dass es schnell auch in die andere Richtung laufen kann – egal, in welchem Land, wobei Deutschland als Vorzeigemarkt natürlich noch einmal deutlich mehr Gewicht hat als Österreich. 

Dass Denzel Ende Juli die BYD-Manager aus China mit potenziellen Zulieferern aus Österreich für das neue Werk in Ungarn zusammengebracht hat, dürfte dem Importeur zusätzlich Gutpunkte beim Hersteller gebracht haben... 

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