2025 wird`s also ernst: Mit der deutlichen Reduktion der Flottenziele muss nach aktuellen Berechnungen auch der E-Anteil stärker steigen. Betroffen sind alle europäischen Marken, nach aktuellen Berechnungen sind der Volkswagen-Konzern und Ford derzeit am weitesten von den Zielen entfernt. Die größten Baustellen sind übrigens Deutschland (und im Schlepptau auch Österreich). In den anderen großen Märkten des Kontinents wird der Anteil von BEV auch heuer wachsen. 

Seitens der Branche kommt nun also die Forderung, den Zielen die Schärfe zu nehmen. Begonnen hat die europäische Hersteller-Vereinigung ACEA mit dem Wunsch, die 2025er-Ziele zu verschieben. (Stellantis, nicht Teil der ACEA, ist übrigens für ein Festhalten daran). Die Automobil-Branche ist zwar denkbar spät dran, zumindest aus einer kurzfristigen Perspektive und den drohenden Strafzahlungen ist der Wunsch nachvollziehbar. Ob das der deutschen bzw. der europäischen Autoindustrie hilft, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, den Rückstand in der Elektromobilität aufzuholen, die dringende notwendige Skalierung aufzubauen und die teure Mehrgleisigkeit hinter sich zu bringen, steht freilich auf einem anderen Blatt. 

Kurzfristigkeit als Problem
Die oben erwähnte Kurzfristigkeit ist derzeit aber das Problem. Ob es die EU heuer noch zu einer Entscheidung schafft, ist eher zweifelhaft. So wurden die Forderungen der Branchen- und Interessenvertreter zuletzt adaptiert: die für 2026 geplante Überprüfung des Fahrplans und der Ziele soll vorgezogen werden. Zu finden ist das etwa beim deutschen Autogipfel, bei den Forderungen der österreichischen Autobranche oder beim aktuellen Positionspapier der europäischen Kfz-Verbände (aus dem 4-Ländergespräch). „Die Revision der CO2-Flottengrenzwerte ist auf das Jahr 2025 vorzuziehen“, heißt es bei Letzteren.

Was erwarten wir von einer Vorziehung der Revision ins Jahr 2025? 
Jeder, der in der Branche arbeitet, weiß, dass Absatz und Kundenverhalten nicht gottgegeben sind, sondern durch Marketing, Aktionen und vor allem Nachlässe, Rabatte und Stützungen, massiv beeinflusst werden.

So müssen für nächstes Jahr nun die Stückzahl-Ziele (bei den Händlern), die Produktion (inklusive Beschaffung), die Preise und Aktionen auf eine deutliche Erhöhung des E-Auto-Anteils gesetzt werden. Der Prozess beginnt JETZT und hat massive Auswirkungen auf die Arbeit der Händler sowie der Werbung beim Endkonsumenten.

Doch was passiert, falls im Laufe des Jahres 2025 der Flottengrenzwert vielleicht verändert, angepasst oder verschoben wird? Lassen wir die georderten E-Autos dann am Hof (der Händler) stehen und schwenken marketingtechnisch wieder – so wie bei manchen Marken im heurigen Jahr – auf den Verbrenner um, weil da momentan noch mehr Marge bleibt?

Ob die Evaluierung tatsächlich vorgezogen wird, ob und welche Anpassungen es geben wird, ist derzeit völlig offen. Was bleibt ist ein hohes Maß an Unsicherheit, bei Herstellern, Händlern und Konsumenten. Viele Kunden verschieben den Autokauf nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil sie verunsichert und verärgert sind.

Dabei ist, und zumindest das kommt nun in den Statements der Hersteller auch auf der großen Bühne immer klarer hervor, der Weg zum vollelektrischen Pkw klar vorgezeichnet. Es geht nur noch um den Weg dorthin und dieser wird unnötigerweise immer holpriger. 

Es braucht jetzt ganz dringend einen Schulterschluss aller Hersteller und aller politischen Akteure um den Pfad schnell und endgültig festzuzurren. Die Branche, und das sind in einem ganz wesentlichen Ausmaß auch ganz stark die Händler und deren Kunden, braucht endlich Planungssicherheit. 

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