„Wir dürfen unsere Arbeitsplätze nicht auf dem Altar der Klima-Ideologie opfern“, erklärt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmansdorfer kürzlich im Medium „Selektiv“ zu seiner Position beim geplanten Automotive-Paket. Dabei ist es natürlich befremdlich, nach diesem Sommer von „Klima-Ideologie“ zu sprechen. Aber Fakt ist, dass Teile der Politik das angebliche „Verbrenner-Aus“ zum Grund für die Probleme der deutschen Automobilindustrie (und damit der österreichischen Zulieferindustrie) benannt haben. Ergo muss die Absage bzw. Verschiebung desselben die Probleme lösen.
Welche Technologien sollen das sein?
Dabei darf man sich die Frage stellen, was mit der hier laufend propagierten Technologieoffenheit gemeint ist? Der vollelektrische Pkw ist gesetzt und wird sich durchsetzen, mittelfristig ergänzt von einer Brückentechnologie, die jetzt noch Hybrid- und vielleicht noch etwas länger Range-Extender sein wird. Wasserstoff (obwohl auch nach dem angeblichen Verbrenner-Aus erlaubt) spielt mangels Verfügbarkeit, Infrastruktur und Leistbarkeit keine Rolle.
Bleiben die alternativen Kraftstoffe. Hier gibt es ohnehin eine politische Einigung auf europäischer Ebene, dass Fahrzeuge mit klimaneutralen Kraftstoffen erlaubt bleiben, lediglich die Regelung der Verwendung ist noch offen. Bei den Alternativen reden von HVO100 (für den Dieselmotor) sowie generell von E-Fuels. HVO100 ist begrenzt (und unstritten) und E-Fuels sind noch überhaupt nicht in relevanten Manegen verfügbar. Es fehlt an Investments, die in gewaltigem Ausmaß notwendig wären.
Und selbst wenn man an den fossilen Treibstoffen festhalten würde: Die Elektromobilität hat sowohl beim Anschaffungspreis als auch bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit eine enorme Dynamik entwickelt, die durch günstige Betriebskosten (verstärkt durch bidirektionales Laden) noch verstärkt wird. Die Vorteile überwiegen immer mehr.
Wie positioniert sich Österreich: nach vorne oder zurück?
Die Botschaft der Politik an Menschen und Industrie, dass der Pkw-Verbrenner durch gesetzliche Regelungen noch lange am Leben erhalten werden kann, ist irreführend. Egal ob bis 2035 oder bis 2040 noch ein paar Hybrid-und EREV-Modelle mit kleinem Verbrenner zugelassen werden dürfen: das ist kein Geschäftsmodell mehr und die Firmen müssen raus aus diesem Geschäft. Vielmehr muss die europäische Autoindustrie sowie die Zulieferindustrie beim elektrisch angetriebenen software-defined-Vehicle aufholen und stärker werden.
Mehr zu: China, der neue Technologieführer
Die Frage ist also: Wie positioniert sich Österreich und Europa in einer Welt, die sich technologisch rasant verändert? Der unaufhaltsame Wandel zur Elektromobilität sowie zum software-defined-Vehicle, in enger Verbindung mit extrem kurzen Entwicklungszeiten durch Taktgeber China, ist eine wesentliche Herausforderung der europäischen Automobilindustrie. Das andere Thema sind die Rahmenbedingungen, die zu teuren Energiekosten, zu hohe Lohn(steuer)kosten, zu viel Bürokratie und zu wenig Planungssicherheit.
Natürlich ist es für Politik und Gesellschaft extrem problematisch, wenn durch diesen Wandel Arbeitsplätze verloren gehen. Aber ein Festhalten am "Alten" macht diese Probleme nur größer. Wir müssen langfristig auf eine erfolgreiche Wirtschaft und Industrie achten, den Umbau unterstützen. Zudem braucht es bessere Rahmenbedingungen, etwa durch günstige (erneuerbare) Energie.
Wer ist Schuld: Musk, die EU oder China?
Gerne kann man diskutieren, ob die EU-Abgasvorschriften, Elon Musk oder die Chinesen nun dafür verantwortlich sind, dass die Elektromobilität auf der Siegerstraße fährt. Fakt ist: Der Markt der nahen Zukunft ist elektrisch. Nicht (mehr), weil Brüssel es verordnet, sondern weil sich die Technologie durchsetzt. Österreich sollte nicht versuchen, an den Technologien von gestern festzuhalten. Unser Ziel muss sein, attraktiver Standort für die Technologien von morgen zu werden: Software, Batterietechnologie, autonomes Fahren, Ladeinfrastruktur, bidirektionales Laden, Sektorenkopplung, aber auch Robotik. Hier entstehen Wertschöpfung und Arbeitsplätze, teilweise haben wir hier bereits innovative Start-ups.
Arbeitsplätze werden nicht auf dem Altar der Klimaideologie geopfert. Sie geraten in Gefahr, wenn wir den technologischen Wandel verschlafen.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
