Es gibt wohl nicht viele Konzerne in der Welt, in denen die Führungsebene so offen mit Journalisten kommuniziert wie in Wolfsburg – auch wenn alles, worüber man am Abend vor der Jahrespressekonferenz mit CEO Oliver Blume, VW-Markenchef Thomas Schäfer und anderen Leuten aus dem Führungsteam im kleinen Kreis sprechen konnte, „inoffiziell“ (also nicht zur Verwertung in den Medien) gedacht war.
Gut 10 Stunden später, im Panoramakino der Autostadt, war alles anders: Hier zählte jede Zahl! Aufmerksam wurden alle Einzelheiten verfolgt – und die rund 50 Journalisten aus aller Welt (darunter 3 aus Österreich) fragten und tippten eifrig in ihre Laptops.
Es war kein einfaches Jahr, über das Oliver Blume und Finanzchef Arno Antlitz an diesem (vor allem wettermäßig trüben) Vormittag in Wolfsburg berichteten.
Das Resümee: Man habe nach den Vereinbarungen mit der Gewerkschaft kurz vor Weihnachten die Grundlage für die Zukunft geschaffen – und es sei gelungen, 2024 ein ordentliches Ergebnis abzuliefern. „Doch das ist noch lange nicht das Ende: Wir müssen es bei der Volkswagen AG auch schaffen, die geplanten Kosteneffeke in Höhe von 4 Milliarden Euro auch zu realisieren.“
So ist für das früher so ertragreiche China-Geschäft des Konzerns auch heuer ein Verlust von bis zu einer Milliarde Euro zu erwarten, ehe es ab 2026 dank der neuen Modelle (und der Zusammenarbeit mit XPeng) auch bei den Elektroautos wieder aufwärts gehen soll.
Viel wird wohl auch davon abhängen, wie es in den USA weitergehen wird, wo das Geschäft 2024 sehr gut gelaufen ist: Es sind vor allem die angekündigten Zölle, die das Ergebnis verhageln könnten. Hier waren die Antworten von Oliver Blume und Finanzchef Arno Antlitz noch eher ausweichend. Man müsse abwarten, wie die Entscheidungen von Präsident Donald Trump letztlich ausfallen werden, dann werde man sich für Verhandlungen an einen Tisch setzen.
Man darf (auch für alle anderen Autokonzerne) hoffen, dass sich hier nicht eine weitere große Baustelle für die Autoindustrie auftut.
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