In den vergangenen Tagen ist sie wieder aufgeflammt, die Diskussion um die mögliche Schließung von Werken des Volkswagen Konzerns in Deutschland. Egal, wie dieses Thema letztlich ausgehen mag: Es zeigt unmissverständlich, dass unsere Branche noch stärker im Umbruch ist, als man sich das noch vor ein, zwei Jahren erwartet hat. Doch wenn man die Schuld jetzt ausschließlich auf die neuen chinesischen Mitbewerber schiebt, ist das falsch: Natürlich ist der Druck aus Fernost massiv, und er wird wohl in den kommenden Jahren noch stärker werden. Doch die europäische Industrie muss weiter umlernen: Vor allem gilt es, die Modellvielfalt zu reduzieren, wie es Volkswagen angekündigt hat.
Dass es geht, zeigt ein Beispiel, nämlich jenes mit den Cabrios: Vor rund 15 Jahren hatte Volkswagen 3 unterschiedliche Modelle, mit denen man auch ohne Dach fahren konnte – vom Golf, vom New Beetle und den Eos. Dann reduzierte man auf eine offene Version des T-Roc, und auch die wird mangels Nachfrage bald eingestellt. Doch warum braucht man zwischen T-Cross und T-Roc auch noch einen Taigo? Und warum, um Himmels willen, werden so viele unterschiedliche Motorisierungen und Ausstattungen angeboten?
Natürlich gibt es Kunden, die danach verlangen: Aber die Vielfalt kostet, vor allem wenn es um die Typisierungen geht, von der Lagerhaltung der Teile (die auch Importeure und Servicepartner betrifft) gar nicht zu reden.
Wenn also Volkswagen Konzernchef Oliver Blume eine Reduktion der Vielfalt ankündigt, ist das höchste Zeit: All das hätte vermutlich schon viel früher passieren sollen, doch nirgendwo sonst sind Arbeitnehmervertretung und politischer Einfluss so stark wie in Wolfsburg. Alle Verhandlungspartner sollten aufwachen, ehe es zu spät ist!
Dass es auch anders geht, zeigt Mercedes: Auch hier wurden in den vergangenen Jahren nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen, man denke nur an die (gerade noch rechtzeitig revidierte) Konzentration auf die obersten Segmente. Die A-Klasse gibt es entgegen vorherigen Ankündigungen weiterhin: Und dort, wo sie produziert wird, nämlich in der südostungarischen Stadt Kecskemét, hat Mercedes am 13. Juli eine massive Werkserweiterung gefeiert. Eine Milliarde Euro wurde hier investiert: Mit 440 statt bisher 200 Hektar ist die Fabrik nun die größte des Herstellers in Europa (und die zweitgrößte auf der Welt). Genug Platz, um die neue vollelektrische C-Klasse, die E-Version des GLC und den GLB zu produzieren – aber auch die „kleine G-Klasse“ soll hier vom Band laufen.
Und warum nicht in Graz? Dort stoße das Werk wegen der großen zivilen und militärischen Nachfrage bereits an die Kapazitätsgrenzen, sagt Mercedes-CEO Ola Källenius im kurzen exklusiven Interview. Doch natürlich werde Mercedes auch in den kommenden Jahren die G-Klasse in Graz fertigen. Halbwegs gute Nachrichten also, auch wenn andere Hersteller (BMW, Jaguar, Toyota) ihre Produktion in Graz mittlerweile beendet haben …
Fix ist: Da kommen in naher Zukunft noch einige Veränderungen auf uns zu!
