Für unseren Verlag reicht oft ein Telefonat oder ein Interview über „Teams“. Und gerne besuchen wir den Arbeitskreis der Automobilimporteure auch in der Industriellenvereinigung am Wiener Schwarzenbergplatz. Doch wenn der ORF anruft, muss Günther Kerle manchmal blitzschnell ins Landesstudio Klagenfurt, wo der ehemalige Chef von Mazda Austria auch heute noch wohnt. 

Mindestens viermal im Jahr trifft man sich mit möglichst allen Geschäftsführern der Automobilimporteure, um alle aktuellen Themen zu besprechen. „Wenn es notwendig ist, natürlich öfter.“ Festgelegt werden die Termine für das Frühjahr und den Frühsommer bereits im Herbst des Vorjahres, damit auch wirklich möglichst alle Entscheidungsträger Zeit haben.

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Und tatsächlich: „Zu den großen Sitzungen kommen fast alle“, sagt Kerle: „Face to face lassen sich die Themen ja doch leichter besprechen, als wenn man anschließend das Protokoll liest.“ Nur manchmal schicken die Geschäftsführer einen Vertreter, etwa den Verkaufsleiter oder jemanden aus Marketing oder PR. Oberstes Gremium ist der Lenkungsausschuss, der mit sieben Geschäftsführern sehr ausgewogen besetzt ist. Große und kleine Hersteller, private Importeure und Konzernniederlassungen, möglichst alle Länder und Kontinente.

Der Lenkungsausschuss wird auch einberufen, wenn schnelle Entscheidungen notwendig sind. Wie etwa im Herbst 2025, als überfallsartig massive geplante Änderungen beim Export von Gebrauchtwagen publik wurden. „Da hat man gesehen, wie wichtig die Zusammenarbeit ist – auch mit der Wirtschaftskammer oder dem Leasingverband“, meint Kerle. Für die Beamten und die Politiker sei damals nur die Frage der Bekämpfung von (einigen wenigen) NoVA-Sündern im Vordergrund gestanden: „Dass eine solche Entscheidung viele andere Auswirkungen hat, war ihnen nicht bewusst.“ 

Unterstützt wird Kerle von Geschäftsführer Dr. Christian Pesau: Seit Oktober 2002 (!) leitet er den Arbeitskreis. Sein Netzwerk ist enorm, sein Wissen ebenso. „Wir beobachten die Politik und halten Kontakt zu den entsprechenden Ministerien“, sagt Pesau: „Damit wir möglichst schon im Vorfeld wissen, was vor sich geht.“ Schwierig ist es manchmal, wenn eine neue Bundesregierung antritt: „Da muss man möglichst rasch Kontakt knüpfen, was uns üblicherweise auch gelingt. Die Beamten in den Ministerien bleiben ja in der Regel.“

Rund 40 Importeure sind Mitglieder im Arbeitskreis, nur die ganz jungen Neuzugänge aus China sind (noch) nicht alle dabei.

In den meisten anderen Ländern sucht man solche Institutionen vergeblich. Und so war auch der Geschäftsführer einer großen deutschen Premiummarke, der am Ende seiner jahrzehntelangen Laufbahn nach Österreich kam, verwundert. Einerseits über die Gesprächskultur, andererseits über die Zielstrebigkeit, mit der Probleme gelöst werden. „Eigentlich sind wir ja Konkurrenten – und doch ist man hier mit vielen per Du. So eine Gemeinschaft gibt es sonst nirgends.“ •