Die Veranstaltung fand unter der Federführung von JU.connects in der neuen Halle 22 am Welser Messegelände statt, wurde von rund 100 Ausstellern bespielt und laut den Verantwortlichen von exakt 1.165 Fachbesuchern frequentiert.

Die Zufriedenheit überwiegt

„Wir sind mehr als zufrieden damit, wie gut der neue Standort und das Format in der Branche angekommen sind“, betont Thomas P. Jungreithmair, CEO von JU.connects. „Es ist uns gemeinsam gelungen, die Anzahl der Fachbesucher im Vergleich zu 2024 um circa 30 Prozent zu steigern“, ergänzt KLS-Fachbeirats-Vorsitzender Harald Winkler. „Als Innung der Fahrzeugtechnik sind wir mit dieser Premiere sehr zufrieden“, ist auch Mst. Manfred Kubik, stellvertretender Bundesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik, positiv gestimmt.Seitens der Verantwortlichen blickt man bereits in die Zukunft und hat die nächste Auflage der KLS-Fachtage mit 27. und 28. Jänner 2028 terminiert.

Umfangreiches Rahmenprogramm

Begleitet wurden die KLS-Fachtage neben dem großen Ausstellungsbereich von informativen Vorträgen und einer Podiumsdiskussion mit relevanten Branchenvertretern. Für Karosserie- und Lackierbetriebe von besonderer Relevanz ist der Umstand, dass Österreich der Pilotmarkt für die neue Lackkalkulation AZT PaintPro werden soll, wie Yilmaz Kuddusi, Projektleiter bei AZT (Allianz Zentrum für Technik) Automotive, berichtete. Das bisherige AZT-Lackkalkulationssystem ist über die Schadenskalkulationsprogramme in Österreich bereits flächendeckend im Einsatz. „Veränderungen durch Digitalisierung, Automatisierung und neue Lacktechnologien waren Anlass, die Berechnungsgrundlagen zu überprüfen und anzupassen“, hielt Kuddusi fest.
Für die Entwicklung wurden Lackieraufträge in hoher dreistelliger Anzahl erfasst und validiert, am REFA-Standard orientiert und um zusätzliche Reparaturszenarien ergänzt. 

Analyse und Umsetzung in Österreich

Österreich dient, in Zusammenarbeit mit dem Versicherungsverband (VVO) und der Innung der Fahrzeugtechnik, als Pilotmarkt für PaintPro. „Wir waren bereits bei der Analyse in österreichischen Betrieben, unter anderem bei der Firma Schmarl, und setzen auch in der Realisierung auf die österreichischen Werkstätten“, so der AZT-Projektleiter. Mit AZT PaintPro sollen unterschiedliche Lackierprozesse genauer abgebildet werden. Kuddusi erläuterte in seinem Vortrag die Unterscheidung bei Ein- bis Vierschichtlackierungen, auch die jeweiligen Unterschiede bei Kunststoff- und Innenteil-Lackierungen werden berücksichtigt. „Auftragsspezifische Zusatzoptionen berücksichtigen die Besonderheiten des jeweiligen Lackaufbaus. Standardeinstellungen in den Systemen sollen den Bedienaufwand eingrenzen“, erklärte der Projektleiter.

Die Herausforderungen der Branche

Im Zuge der KLS-Fachtage stand auch eine Diskussionsrunde über aktuelle Herausforderungen in der Karosserie- und Lackierbranche auf dem Programm. Zu Wort kamen Reinhart Clark, Betriebsinhaber und Leiter des Lack- und Karosseriebeirats, Tirols Landesinnungsmeister Elmar Schmarl, Hannes Annewanter, Gebietsleiter Tirol bei Kastner, und Alexander Bayer, Kfz-Chef-Sachverständiger im Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO). Ein Themenbereich war Nachhaltigkeit in der Unfallreparatur, und hier sprachen sich alle Beteiligten für mehr Reparieren statt Ersetzen aus. „Wir würden uns öfter Instandsetzungen wünschen“, so Bayer. „Instandsetzen statt Ersetzen ist für uns alle ein Vorteil“, ergänzte Schmarl. Mit modernen Geräten ließen sich auch komplizierte Reparaturen bewerkstelligen, hielt Tirols Landesinnungsmeister fest. Freie Werkstätten würden eher zur Reparatur streben: „Das ist auch eine Frage des Deckungsbeitrages“, hielt Clark fest.

Bayer: „Versicherung muss leistbar bleiben“

Ein weiterer Punkt betraf die Ersatzteileversorgung, die hier stark gestiegenen Kosten in den vergangenen Jahren und immer wieder geführte Diskussion zwischen OE- und Ident-Teilen. Entscheidend sei hier die Passgenauigkeit, aber in vielen Fällen stünden Ident- den OE-Teilen in nichts nach. „Die Qualität der Teile ist nicht das Thema“, so Annewanter. Am Ende des Tages sei entscheidend, dass die Versicherung leistbar bleibe, so Bayer: „Wir sind immer bestrebt, die Wertschöpfung in Österreich zu halten.“

Diskutiert wurde auch, wie mit verunfallten E-Fahrzeugen umzugehen sei. Ein großes Thema seien mögliche Batterieschäden. Die Fahrzeughersteller würden sich hier umfassend absichern und aus diesem Grund oftmals auf einen Tausch der Traktionsbatterie beharren. Das bedinge in der Regel -einen wirtschaftlichen Totalschaden. „In den meisten Fällen sind die OE-Abläufe bei Batterieschäden definiert“, verwies Bayer auf die bereits seit 2024 gültige EU-Batterie-Verordnung.