A&W: Herr Yilmaz, wollen Sie uns zum Einstieg von Ihrer Migrationsgeschichte erzählen?

Emin Yilmaz: Ich bin als Neunjähriger nach Österreich gekommen, und mein Vater hat damals zu uns gesagt: Wir sind jetzt hier und dankbar dafür. Wir gehören zu Österreich und verhalten uns entsprechend. Zurückzugehen wäre nicht infrage gekommen, der Lebensstandard, aber auch die Mentalität in Österreich haben uns geprägt. Ich bin dann 2005 Unternehmer geworden, habe bis heute mehrere Betriebe geführt und 2015 meine politische Karriere begonnen.

Dass Sie Unternehmer werden wollten, hat das mit Ihrer Migrationsgeschichte zu tun?

Yilmaz: Das glaube ich nicht. Unternehmergeist hat mit Mut und Talent zu tun. Es hat damit zu tun, dass man sich schon in der Jugend Ziele setzt, geschickt ist und seine Eltern, seine Lehrer und Vorgesetzten ernst nimmt; das ist bei heutigen Jugendlichen vielleicht nicht mehr ganz so. Wenn man lernen will und begabt ist, kann man unabhängig von der Herkunft Erfolg haben.

Wie funktioniert aus Ihrer Sicht die Integration von Migranten in Österreich?

Yilmaz: Ehrlich gesagt denke ich, dass Österreich bei der Integration in den letzten Jahren versagt hat. In Deutschland gibt es viele Menschen mit Migrationshintergrund, die ihre Muttersprache nicht mehr sprechen, sie sind zu 100 Prozent Deutsche geworden. In England  leben Menschen vieler Kulturkreise friedlich zusammen. Als wir nach Österreich kamen, lebten wir zusammen mit Österreichern und anderen Migrantengruppen in den Wohnhäusern. Heute leben die Migranten auf engem Raum zusammen, die Politik hat verabsäumt, auf Verteilung zu achten. Auch die Asyl-Logik funktioniert nicht. Ich kenne Beispiele von fleißigen Handwerkern, die nicht hierbleiben durften und jetzt zum Beispiel in Deutschland erfolgreiche Handwerker sind. Qualifizierte Asylwerber sollten schneller arbeiten dürfen. 

Über österreichische Jugendliche – insbesondere in den Städten – wird gern gesagt, dass sie handwerklich nicht geschickt sind. Sind „migrantische“ Jugendliche handwerklich im Vorteil und arbeitswilliger? 

Yilmaz: Das würde ich so nicht sagen, nein. Die Jugendlichen, die heute aus anderen Ländern hierherkommen, wirken oft erwachsener als hiesige Jugendliche, das hat mit ihrer Geschichte zu tun. Die türkischstämmigen Jugendlichen, die in 3. oder 4. Generation hier sind, zieht es aber auch in die höheren Schulen. Überhaupt müssen wir irgendwann aufhören, von Migranten oder Migrationshintergrund zu sprechen, wenn Menschen in 3. oder 4. Generation hier leben. Man muss diese Grenzen im Kopf auflösen, wie sollen sich diese Jugendlichen sonst jemals als Österreicher fühlen?