In den vergangenen Wochen haben wir (auch) ihnen wieder begeistert zugejubelt und die österreichische Identität in ihre Hände – oder Füße – gelegt:  Österreichern mit Migrationshintergrund, deren Eltern oder Großeltern zugewandert sind. Deren Kinder und Enkel nicht nur Leistungsträger in Österreichs Fußball-Nationalteam, sondern auch Stützen der österreichischen Wirtschaft sind. Während das Nationalteam rund um Alaba, Arnautovic und Kalajdzic den wohlverdienten Urlaub angetreten hat, sorgen in Österreichs Betrieben viele Menschen mit ähnlicher Geschichte dafür, dass die Räder weiterlaufen. Dies gilt für alle Branchen, am meisten (siehe Tabelle rechte Seite) für Industrie, Handel, Sozialbereich und Bau. Aber auch wenn wir in die Kfz-Betriebe blicken, finden wir mittlerweile einen hohen Anteil an Menschen, deren Namen auf eine Herkunft aus der Türkei oder südosteuropäischen Ländern schließen lässt. Besucht man häufiger Kfz-Werkstätten in Wien, muss man zur Überzeugung gelangen, dass ohne Fachkräfte aus Zuwandererfamilien kein Betrieb mehr möglich ist. Dieses Bild setzt sich längst auch auf Führungsebene fort.

Zuwanderung in den Arbeitsmarkt

Dass die österreichische Wirtschaft Zuwanderung braucht, ist unbestritten. Die Geburtenrate zeigt ein eindeutiges Bild. 1963 wurden in Österreich 134.809 Geburten verzeichnet, das sind jene Arbeitskräfte, die gerade in den Ruhestand wechseln. Im Jahr 2011 wurden in Österreich gerade noch einmal 78.109 Geburten registriert – das sind jene Menschen, die heute in den Arbeitsmarkt einsteigen (könnten). Die Differenz beträgt 42 Prozent, und sie muss – zumindest zu einem gewissen Teil – durch Zuwanderung ausgeglichen werden, wenn das Niveau gehalten werden soll. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass Österreich als attraktives Land wahrgenommen wird und Menschen zu uns kommen wollen. Gerade im Bereich der Arbeiter und Angestellten sind Migranten aus Nicht-EU-Ländern, aber auch aus Ländern, die ab 2007 der EU beigetreten sind, mittlerweile eine wichtige Stütze (s. Tabelle o. r.). Aber Migranten gehen zu einem durchaus signifikanten Teil auch den Schritt ins Unternehmertum.

Lehrlingszahlen: mehr Afghanen und Syrer

Laut WKO-Lehrlingsstatistik sind in den vergangenen 10 Jahren in den für die Kfz-Branche relevanten Lehrberufen die Anteile der Lehrlinge mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft deutlich angestiegen (siehe Grafik rechts). Diese Zahlen offenbaren so manch interessantes Detail. So zeigt sich etwa, dass Österreich nicht nur bei Hochschülern, sondern auch bei den Lehrlingen aus dem deutschen Nachbarland beliebt ist. Nimmt man die Zahlen der Kraftfahrzeugtechnik, waren per 31. Dezember 2025 aus Deutschland 117 Lehrlinge registriert – die zweitgrößte nicht österreichische Gruppe hinter den Syrern (165 Lehrlinge). An dritter Stelle rangieren Menschen mit türkischem Pass (116), dann folgen Afghanistan (112) sowie Kroatien und Bosnien-Herzegowina (je 87), die sich zu den 6.776 öster-reichischen Auszubildenden gesellen.

Angesichts der globalen Entwicklung ist es keine Überraschung, dass gerade Afghanistan und Syrien als Herkunftsländer von Lehrlingen – wie etwa im Bereich der Karosseriebautechnik und Kraftfahrzeugtechnik – stark in den Vordergrund drängen, eine Entwicklung, die sich schon in den Zahlen von 2020 zeigt und 2025 noch einmal verstärkt hat. Gerade diese jungen Menschen stehen vor großen Herausforderungen, in immer komplexeren Lehrberufen zu starten. Neben den Betrieben leisten dazu die Berufsschulen wertvolle Integrationsarbeit, was angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels für die Branche von immenser Bedeutung ist. All die Zahlen weisen eine gewissen Unschärfe auf: Denn bei Weitem nicht jeder, der von alteingesessenen Österreichern (selbst oft genug Nachfahren von Menschen aus ehemaligen k.u.k. Kronländern) als „Ausländer“ wahrgenommen wird, hat noch einen fremden Pass. Viele sind bereits in Österreich geboren und besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft. Ob sie sich als „echte Österreicher“ fühlen, hängt sicherlich auch davon ab, ob sie als solche behandelt und akzeptiert werden.

Erfolgsgeschichten und Problemfelder

Für diesen „Fokus“ haben wir mit erfolgreichen „Menschen mit Migrationshintergrund“ gesprochen, deren Geschichten wir Ihnen ans Herz legen möchten. Herausgekommen sind nicht nur faszinierende Einblicke in die persönlichen Geschichten erfolgreicher Manager und Unternehmer wie Danijel Dzihic (BYD), Ossi Matic (Lucky Car) oder Emin Yilmaz (Wiener Landesinnungsmeister), sondern auch klare, unverstellte Blicke auf aktuelle Problemfelder, die vom Stammtisch bis ins Parlament für heiße Debatten sorgen.