Rasanter, innovativer und schneller
„Ich habe vor Kurzem die Peking Motor Show besucht und man muss neidlos anerkennen, dass China in unserer Branche die Entwicklungsführerschaft übernommen hat“, sagt Mag. Michael Mayr, Geschäftsführer Autopark/Innsbruck. „Aus meiner Sicht stellen die neuen Marken aus Fernost eine Riesen-Chance für die Händler dar. Die Fahrzeuge sind technologisch top, und die Hersteller entwickeln eine enorme Geschwindigkeit. In China wird in Entwicklungszentren teilweise im Dreischichtbetrieb gearbeitet, das wäre in Europa nicht möglich.“ Die Leistungsbereitschaft sei enorm, technologisch werde rasanter, innovativer und schneller gearbeitet. Auch die Qualität passe. „Das Plus der Europäer ist, dass wir eine Geschichte und die Marken eine Seele und Historie haben, das ist ein Unterschied zu den neuen Marken aus China.
Michael Mayr
Richtige Entscheidung getroffen
„Als wir uns in unserem Autohaus für die Hinzunahme der chinesischen Marke BYD entschlossen haben, haben wir erst einmal abgewartet, wie sich zusätzliche Geschäfte entwickeln“, wie Josef Frischmuth, Gesellschafter Autohaus Danner/Schlüßlberg, berichtet. „Mittlerweile sind wir sehr zufrieden und froh, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, die Abschlüsse sind gut.“ In jüngster Vergangenheit habe sich die Nachfrage nach Elektro-Fahrzeugen aufgrund des jüngsten Öl-Konflikts enorm erhöht. „Auch deutlich mehr Privatkunden wollen nun auch auf E-Autos umsteigen.“ Dieser Trend betreffe nicht nur die Marke BYD, sondern auch die Marke Ford. Letztendlich sei der Erfolg auch den Händlern zu verdanken, die hinter den Marken stünden und die -Volumen gepusht hätten.
Josef Frischmuth
Wettbewerb kurbelt Markt an
„Auch in der Vergangenheit haben Hersteller aus Fernost ihre Produkte – zuerst die Japaner und später die Koreaner – auf den europäischen Markt mit Erfolg vermarktet, der Wettbewerb belebt den Markt“, sagt Harald Kaufmann, Landesgremialobmann-Stv. des Salzburger Fahrzeughandels und Geschäftsführer Auto Kaufmann/Zell am See. „Derzeit geben die Chinesen die Pace vor und sie präsentieren laufend neue Modelle, aber es stellt sich für die kommenden Jahre die Frage, ob auch die Langzeitqualität passt. Dazu gesellen sich die Themen Ersatzteilversorgung, Lieferfähigkeit oder Korrosionsschutz.“ Für Händler, die noch Kapazitäten hätten, könne eine Hinzunahme einer chinesischen Marke Sinn machen, wichtig sei, dass man sich mit dem Produkt auch identifizieren könne.
Harald Kaufmann
Mitbewerber beleben Geschäft
„Aus meiner Sicht belebt jeder Mitbewerber das Geschäft“, meint Oskar Dörfler, Landesgremialobmann des Kärntner Fahrzeughandels und Geschäftsführer Autohaus Dörfler/Spittal a.d. Drau. „Darüber hinaus glaube ich, dass die altbewährten, europäischen Marken auch bei den Kunden immer noch sehr hoch im Kurs stehen, dennoch kann sich als Ergänzung auch eine Chance bieten, den Absatz und Umsatz mit einer chinesischen Marke zu erhöhen.“ Es fehlten bei diesen neuen Marken aber Langzeiterfahrungen und es handle sich bei den chinesischen Unternehmen oft um sehr große Konzerne. Wenn sich das eine oder andere mangels entsprechenden Erfolgs aus dem europäischen Markt zurückziehen sollte, habe auch der Händler ein Problem.
Oskar Dörfler
Keine Gefahr
„Konkurrenz wird es immer geben und sie belebt das Geschäft, ich sehe hier keine Gefahr“, erklärt Mag. Rudi Lins, Geschäftsführer Autohaus Rudi Lins/-Nüziders und Landesgremialobmann des Vorarlberger Fahrzeughandels. „Wir haben ja auch die Entwicklungen in der Vergangenheit beobachtet, in den 1970er- und 80er-Jahren drängten japanische Marken auf den Markt, etwas später kamen die Koreaner.“ Auch damals habe es zu Beginn ansteigende Verkaufszahlen gegeben, die sich später auf einem normalen Niveau eingependelt hätten. „Ich nehme an, dass sich diese Entwicklung auch bei den chinesischen Marken wiederholen wird.“ Der VW Konzern sei gerüstet: „Es startet eine Modell-Offensive auch im E-Bereich, mit dem ID.Polo, Cupra Raval, Škoda Epiq und den Facelifts von ID.4 und ID.3 sind wir gut aufgestellt.“
Rudi Lins
Österreicher sind treue Kunden
„Ich sehe hier keine Gefahr, der österreichischen Kunde ist ein sehr treuer“, sagt Stefan Hutschinski, Einzelhandelssprecher im Bundesgremium Fahrzeughandel und Geschäftsführer Hutschinski Mobility/Wien. „Wenn auch europäische Marken das schaffen, was die chinesischen Marken schaffen – das betrifft speziell auch Premiummarken – glaube ich, dass sich da wenig ändert, das trifft aus meiner Sicht auch auf die Mittelklasse zu. Bei den preisgünstigeren Marken könnte sich schon etwas verändern. Insgesamt glaube ich, dass es gut ist, wenn man sich auf die Marken besinnt, die man hat und versucht, diese zu positionieren und auszubauen. Wichtig ist den Kunden Verlässlichkeit im Service, deshalb setzen viele auch auf Bewährtes“.
Stefan Hutschinski
Gute Ergänzung
„Ich sehe die neuen chinesischen Auto-marken als Chance, sonst hätte ich keinen Vertrag mit der Marke Jaecoo Omoda abgeschlossen“, unterstreicht Wilhelm Weintritt, Geschäftsführer Autohaus Weintritt Neusiedl a. See, Eisenstadt und Baden. „Unser Problem war auch, dass die Marke Ford die Modellpalette speziell im Pkw-Bereich ausgedünnt hat und uns derzeit zu wenig anbieten kann, was sich auf die Verkaufszahlen ausgewirkt hat. Das war auch der Grund, warum wir uns auch anderwärtig umsehen mussten, um unseren Kunden ergänzend entsprechende Ware anbieten zu können.“ Die chinesischen Fahrzeuge seien qualitativ hochwertig, wichtig sei auch der entsprechende Support im Reparaturgeschäft. „Hier stehen natürlich die neuen Marken vor einer Herausforderung, das nimmt einige Zeit in Anspruch, bis sich das einspielt.“
Wilhelm Weintritt
Es gibt auch Risiken
„Es gibt eine Unzahl von chinesischen Automarken und die chinesische Markenvielfalt könnte sich möglicherweise in Zukunft auch wieder reduzieren“, wie Ing. Wolfgang Schirak, Landesgremialobmann des niederösterreichischen Fahrzeughandels und VL Schirak Automobile/St. Pölten, meint. Wenn ein Händler auf eine Marke setze, die in wenigen Jahren den Markt verlasse, habe er ein Problem. Dazu gesellten sich geopolitische Entwicklungen – Stichwort Zölle –, die die Ware verteuerten und im Extremfall unverkäuflich machen könnten.
„Aus meiner Sicht ist – abgesehen von der Marke – auch wichtig, welcher Ansprechpartner für die jeweilige Marke in Österreich agiert.“ Davon hänge ab, ob man sich für die Hinzunahme einer Marke entscheide oder auch nicht.
Wolfgang Schirak
Ergänzung des Portfolios
„Die Hinzunahme einer neuen Marke ist, wie ich meine, auf die jeweilige Situation des Händlers abzustimmen“, wie Heinz P. Robinson, handlungsbevollmächtigter Gesellschafter Autohaus Robinson/Graz, erläutert. „Wir haben uns zu unseren Marken Mazda und Kia als Ergänzung des Portfolios für die Marke MG entschieden. Voraussetzung dafür ist, dass man neue Marken mit einer eigenen Mannschaft vertreibt, das haben wir auch in der Vergangenheit immer so praktiziert.“
Wesentlich sei auch, sich „tunlichst eine Marke mit einem verlässlichen Vertriebspartner auszusuchen, mit dem auch die Ersatzteilversorgung und die Garantieabwicklung funktionieren. Das war ein Kriterium, uns für den Vertrieb der Marke MG zu entscheiden.“
Heinz P. Robinson
