Es hat sich relativ kurzfristig ergeben, dass die Liefersituation im Schmierstoffgeschäft zum großen Thema für diese Ausgabe geworden ist. Anfangs waren es nur Gerüchte, aber nach und nach sind die Sorgen, dass sich die Ölkrise aus dem Nahen Osten auch auf das europäische Schmierstoffsegment auswirkt, Realität geworden. 

Nun ist das zweifellos eine unangenehme Situation für die Hersteller und Vertriebspartner, aus zwei speziellen Gründen: Erstens gibt ein Lieferant – verständlicherweise – nicht gerne zu, wenn er in Lieferproblemen steckt. Zweitens kann eine ganz offene Kommunikation rasch zu übertriebenen Reaktionen führen. Denn selbst wenn es sich bei den Kunden um kühle Unternehmer handelt, ist ein „Toilettenpapier-Effekt“ wie zu Corona-Zeiten eine Gefahr. Sie erinnern sich, dass damals ohne Not das Klopapier gehamstert wurde und je weniger Rollen im Regal waren, desto mehr wurden panikartig gekauft. 

Auf die Öl-Branche umgelegt: Schon wenn sich lediglich aus Versorgungsängsten das Bestellvolumen erhöht, kommen alle Lieferanten unter Druck, auch ohne eigentliche Lieferkrise. Ein zweites Fass, eine frühere Befüllung des Tanks, eine Extra-Bestellung von Kanistern: multipliziert mit der Anzahl der Kunden und schon hebeln diese 20 Prozent Mehrbestellung das bewährte System aus, das im Wesentlichen – aus Kostengründen – auf Just-in-Time basiert. Denn im großen Preiskampf will heute niemand mehr für Sicherheit bezahlen. 

Ich habe großen Respekt vor den Managern, die sich dem Thema in unserer Umfrage gestellt und relativ offen darüber kommuniziert haben. Sie als Betrieb sollten nun auf Ihre Partner und Lieferanten vertrauen, in enger Absprache bestellen und arbeiten. Denn nur so kann das System stabil gehalten werden und trotz tatsächlicher Engpässe weiter funktionieren. Dass es für Hersteller und Händler teurer wird, dass diese Preise an die Werkstätten weitergegeben werden müssen, ist leider ebenfalls unabwendbare Realität. Das wird – wieder einmal – auch der Konsument verstehen und akzeptieren müssen.

Vertrauen ist auch der Teil des großen Schwerpunktthemas dieser Ausgabe, um das sich erfreulicherweise wieder Gastautor und Schmierstoffspezialist Martin Huber gekümmert hat: Dabei geht es um die richtigen Spezifikationen für den eigenen Betrieb. Selbst wenn Martin Huber für sich den wohl unerfüllbaren Anspruch hatte, die eine Universal-Lösung für alle Betriebe zu erarbeiten, so ist in jedem Fall ein sehr hilfreicher Leitfaden daraus entstanden.

Denn es ging uns vor allem um Bewusstseinsbildung bei diesem Thema, um eine konsequente Analyse des Fahrzeugpools sowie um eine professionelle Planung mit Ihrem Lieferanten des Vertrauens. Denn alle hier in diesem Heft angeführten Schmierstoffpartner versorgen Sie verlässlich mit den richtigen Produkten, abgestimmt auf den Bedarf in Ihrem Betrieb und – derzeit sehr wichtig – die entsprechende Verfügbarkeit. Bleiben Sie im Gespräch.