Die Brussels Motorshow markierte klar den internationalen Jahresauftakt der Autobranche. Mit dem Termin vom 9. bis zum 18. Jänner hatte man dazu so oder so die besten Karten. Die CES in Las Vegas war zwar noch früher dran, doch die Tech-Konzerne hatten sich „ihre“ Messe spürbar zurückgeholt. Autohersteller und Zulieferer führten vom 6. bis zum 9. Jänner in Nevada eher ein Nischendasein. 

In Gesprächen mit Fachbesuchern und Ausstellern machte ein klarer Satz die Runde: „Brüssel wird das neue Genf.“ Tatsächlich erinnerte das Flair der Hallen, die Art der Autopräsentationen und -einiges vom Drumherum an die ehemals große Show am Lac Léman. Nicht zuletzt die Vergabe des „Car of the Year“ war lange Zeit eine Angelegenheit der Schweizer. Nun wurde der Mercedes CLA in Brüssel zum Gewinner gekürt. Übrigens haushoch (320 Punkte) vor den Konkurrenten Skoda Elroq (220 Punkte) und Kia EV4 (208 Punkte). 

Mit einer Rekord--Besucheranzahl festigte die Messe, die jedes Jahr einen unglaublich starken Impuls für Neuwagenverkäufe in Belgien gibt, ihren subjektiven neuen Status: 349.775 Besucher zählten die Veranstalter. In den Hallen sah man 67 Automarken, 28 Motorradmarken und – passend zur Historie der Brussels Motorshow – auch sämtliche Highlights der Kategorie leichte Nutzfahrzeuge.

Vorteil durch Verbundenheit

Die Markenvielfalt von Stellantis wurde gleich beim Betreten der Messe durch den Eingang beim Wahrzeichen Atomium vor einem aufgefächert. Das orangefarbene EV-Concept-Car Citroën ELO diente als erster Blickfang, gleich vis-à-vis lauerte der bekannte Messe-Löwe von Peugeot samt dem Facelift des 408. Neben diesen beiden Weltpremieren hatte der Vielmarkenkonzern noch zwei weitere Weltpremieren zu bieten: Das Facelift des Opel Astra und den brandneuen Leapmotor B03X – gleich daneben die Europapremiere des Leapmotor B05. 

Die Verbundenheit zu den Europäern brachte Leapmotor einen wichtigen Vorteil ein: Man stand gleich in der ersten Halle und nicht wie Nio, Omoda, XPeng oder Zeekr erst zwei Hallen weiter in einer eigenen „Chinesen-Ecke“. Noch schlimmer erging es den VW-Konzern-Marken: Um die Modelle von Audi, Cupra, Porsche, Seat, Skoda sowie VW und VW Nutzfahrzeuge zu sehen, musste man Halle 11 besuchen. Wer nur einen Tag für die Motorshow hatte und ob der vielen Neuheiten auf dem Weg vielleicht schon fix und fertig war, hat die letzte Halle am Programm möglicherweise gar nicht erst erreicht. Subjektiv waren hier auf jeden Fall weniger Besucher vorzufinden, auch wenn Audi Concept C, Porsche Cayenne Electric und allen voran die kleinen Konzern-Elektriker der Zukunft, Cupra Raval, Skoda Epiq und VW ID. Polo, durchaus spannende Exponate darstellten.

Punkto Weltpremieren müssen die Südkoreaner noch hervorgehoben werden: Kia zeigte erstmals die GT-Modelle von EV3, EV4 und EV5, für den meisten Widerhall sorgte aber der EV2. Das 4,06 Meter lange E-SUV wird in Europa gebaut und soll die breite Masse elektrifizieren. Bei Hyundai zeigte man zwar ein Showcar des Ioniq 3, um Kompakt-Kompetenz zu unterstreichen. Früher auf den Markt kommt jedoch der Staria EV, das lang ersehnte Batteriemodell des Familienvans. Geht es nach Pierre Leclerq, Director Design Citroën, könnten die Vans so oder so vor einem Comeback stehen. Sein ELO, eine nicht ganz einleuchtende Abkürzung für „rEst, pLay and wOrk“ soll die Insassen in allen Lebensbereichen unterstützen – sei es als mobiler Arbeitsplatz oder als Campingmobil.

Regulatorien schränken das Angebot ein

Agnès Tesson Faget, Director Product bei Peugeot, betonte im Gespräch mit AUTO&Wirtschaft, dass die Mehrgleisigkeit des Antriebsangebots noch so lange aufrechterhalten werden müsse, „wie wir dürfen und die Kunden es wollen. Wir richten uns schließlich mit unserem Angebot nicht nur an europäische Märkte.“ 

Dass Regulatorien das Angebot in Europa einschränken, kritisierte auch der neue Stellantis COO Enlarged Europe, Emanuele Cappellano, bei seinem ersten Round Table mit Journalisten. Er will die Institutionen weiter pushen, damit die Industrie in den kommenden Jahren nachhaltig agieren könne. Neben flexiblen Antriebsoptionen – auch Biofuels werden von Cappellano genannt – sieht er Stimuli für die Erneuerung von Fuhrparks und Unterstützung für jene, die im Segment der kleinen, günstigen Fahrzeuge umsteigen wollen, als wichtige Hebel für die Dekarbonisierung. „Die Zukunft werden aber Elektroautos sein.“

Etwas enttäuschend der Auftritt der Premium-Deutschen. BMW zeigte den neuen i3 nicht, Mercedes feierte den GLB, das aber in einer düsteren Halle.