"Das Geschäft mit gebrauchten Elektrofahrzeugen steht", hören wir derzeit von vielen Händlern. Mit einer gewissen Sorge, von manchen aber auch mit einer gewissen Schadenfreude. Man habe es ja schon immer gewusst, dass das nicht funktionieren könne, mit der E-Mobilität.
Der Schluss ist unzutreffend und problematisch zugleich. Denn das Thema wird den Fahrzeughandel in Zukunft sehr stark beschäftigen. Derzeit sind zu einem großen Teil E-Autos der ersten Generation auf dem GW-Markt, mit eingeschränkten Reichweiten. Diese „alten“ Modelle sind (zu oft noch sehr hohen Preisen) sehr schwierig zu vermarkten.
Der Boom im Firmenwagen-Bereich hat mit dem Technologiesprung vor drei bis vier Jahren begonnen und diese Fahrzeuge (Tesla 3 und Y, Skoda Enyaq, VW ID-Modelle, Hyundai Ioniq 5 oder BMW i4 und iX3, ...) kommen nun aus dem Leasing zurück, teilweise mit Restwert-Garantie, teilweise ohne. Diese Modelle haben vernünftige Reichweiten, die Akkus sind in gutem Zustand, diese Fahrzeuge sollten also vermarktbar sein (sofern der Preis stimmt). Dagegen spricht das große Volumen das nun kommt, die in der öffentlichen Meinung größer gewordene Skepsis und – höflich formuliert – mangelnde Erfahrung in der Vermarktung.
Dass Verkäufer dem Firmenkunden das E-Auto ausgeredet haben, weil der Akku in vier Jahren kaputt sein soll und nun daran scheitern, dessen Gattin einen vier Jahre alten E-Zweitwagen zu verkaufen, zählen wir zu den Einzelfällen. Dass E-Mobilitäts-Rookies vom Verkäufer nicht richtig über Laden, Ladekarten und Strom-Verbrauch informiert werden und damit unnötige Probleme erst entstehen, dürfte schon öfter vorkommen.
Akku-Größe nicht angegeben
Und dass E-Autos in der Online-Vermarktung nicht richtig beschrieben werden, ist leider ein Standard-Problem. Haben Sie schon einmal testweise versucht, in den Börsen die wesentlichen Informationen über angebotene E-Autos herauszufinden: Akkugröße und Reichweite sind selten angeführt, von Ladegeschwindigkeiten und Software-Ständen ganz zu schweigen. Der Test des Akkus hat sich zugegeben noch nicht weit verbreitet, aber er wird in naher Zukunft mindestens so wichtig wie §57a-Gutachten und Serviceheft.
Zurück zur Beschreibung: Wie soll sich ein potenzieller Kunde konkret für einen ID.3 interessieren, wenn er nicht weiß ob der Akku (netto) 45, 58 oder 77kWh groß ist. Akkugrößen und Reichweiten sind beim E-Auto an oberster Stelle kaufentscheidend, kW und PS sind nahezu egal (die Elektriker gehen eh alle wie die sprichwörtliche Sau).
willhaben hat etwa vor einiger Zeit die entsprechenden Felder für Akkugröße und WLTP-Reichweite eingeführt, die Nutzung ist überschaubar. Die Zahl der Händlerinserate, wo die Akkugröße gleich in der Headline angeben wird, nimmt zwar zu, gleichzeitig gibt es noch viele, wo man diese Info im gesamten Inserat überhaupt nicht findet.
Kunden vom e-GW begeistern
„Es ist bedauerlich, dass Erstbesitzer bei den E-Autos nun niedrigere Restwerte hinnehmen müssen, der Gebrauchtwagen-Käufer profitiert aber von attraktiveren Preisen“, erklärt etwa Fahrzeughandel-BGO Klaus Edelsbrunner. „Und man kann sie mit gutem Gewissen kaufen. Die Hersteller bieten 8 Jahre Garantie auf den Akku und wir können heute mit einem Test nachweisen, dass die Batterie in Ordnung ist. Man muss das nach außen tragen und den Kunden begeistern“, so Edelsbrunner.
Das gebrauchte Elektroauto ist fixer und wachsender Bestandteil des GW-Geschäftes. Sich rechtzeitig darauf einzustellen und die Hausaufgaben zu machen ist sinnvoll und notwendig. Werbung, relavente Inserate, positive Stimmung zum Thema, E-Auto-Kompetenz, mehrtägige Testfahren, vielleicht Pakete mit Wallboxen, intelligenten Ladekabeln oder Ladekarten: das E-Auto-Geschäft ist anders und fordert neue Zugänge.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
