Die Allianz ist ausgesprochen breit. 10 Verbände engagieren sich gemeinsam für den freien Zugang zu den Fahrzeugdaten: Das reicht von ADPA (Automotive Data Publisher), AIRC (Karosserie-Reparatur) und CECRA (Händler) über CLEPA (Zulieferer), EGEA (Werkstattausrüstung), ETRMA (Reifen-Produzenten) und FIA (Autofahrerklubs) bis zu FIGIEFA (Teilehandel), insurance europe (Versicherungen) und Leaseurope (Leasinggesellschaften). Die Verbände arbeiten zu diesem Thema zusammen, seit die EU-Kommission den Data-Act veröffentlicht hat. Am Ziel ist man freilich noch nicht. Das EU-Datengesetz (Data-Act) zielt zwar in die richtige Richtung, ist aber für alle Wirtschaftsbereiche ausgelegt und nimmt somit nicht auf die Besonderheiten der automotiven Branche Rücksicht. Nicht zuletzt aus diesem Grund fordern viele Branchenvertreter, und das schon seit Jahren, eine sektorspezische EU-Datengesetzgebung.
„Die Fahrzeughersteller haben quasi ein Monopol auf die Daten, die von den Fahrzeugen der europäischen Verbraucher und Unternehmen erzeugt werden“, erklärt etwa die CECRA. „Dies schränkt die Auswahl an innovativen Diensten, die unabhängige Dienstleister anbieten könnten, stark ein.“ Die Situation wäre anders, wenn diese Anbieter den gleichen Zugang zu Fahrzeugdaten hätten.
Auch im reparierenden Gewerbe wird das Thema immer schwieriger, egal ob freie Werkstätte, Lack- und Karosseriebetrieb oder Autohaus. Denn jedes Autohaus auch eine freie Werkstätte, vor allem in Österreich, wo im ländlichen Gebiet wenige Betriebe die gesamte Region und damit alle Marken abdecken. Aber auch für den Gebrauchtwagen oder bei den Änderungen einer Markenvertretung braucht es den Zugang zu allen Marken.
Zwar arbeiten Anbieter von Diagnose-Systemen und Reparaturinformationen laufend an einem möglichst barrierefreien Zugang. Die Autohersteller machen es, trotz gesetzlicher Regelung, aber zunehmend schwieriger.
Klar, OEM und die angeschlossenen Betriebe wollen mehr vom After-Sales-Kuchen, zumal die Elektromobilität die Werkstatt-Erträge ins höhere Fahrzeugalter verschiebt. Es gibt einen starken Wettbewerb beim Wechsel des Autofahrers vom Markenbetrieb in die freie Werkstätte.
Gleichzeitig muss es doch im ureigensten Interesse der Hersteller sein, dass ältere Fahrzeuge günstiger serviciert und repariert werden. Zeitwertreparaturen sind das Thema. Ältere Fahrzeuge, vor allem von Premiumherstellern, wären nicht mehr verkäuflich, wenn man nur in der Markenwerkstätte serviciert und repariert. Und das drückt dann auf die so wichtigen Restwerte.
Den ÖAMTC, über die FIA in diesem Interessenverbund vertreten, betrifft der Datenzugang ganz massiv im Bereich der Pannenhilfe. Um das Problem nun in Brüssel zu verstärken, holt der ÖAMTC den Konsumenten ins Boot. Ein kluger Schachzug, denn der Konsument hat für EU-Entscheidungen höchste Relevanz.
Diese Aktion, die Kollege Andreas Granzer-Schrödl mit dem griffigen Titel „Schreib's an Ursula“ beschrieben hat, ist unterstützenswert und sollte auch bei den Kunden und im persönlichen Umfeld thematisiert werden, damit möglichst viele an Ursula schreiben.
