Noch vor 20 Jahren haben junge Burschen, über die man heute froh wäre, trotz Bewerbung keinen Lehrplatz bekommen. Zahlreiche Schulabgänger haben sich damals bei den Autohäusern beworben. Heute bewirbt sich kaum noch einer aktiv in der Werkstätte. „Und jene, die sich melden, kann man vergessen“, berichtet ein Unternehmer.
Dabei sind schon damals einige Kfz-Unternehmer proaktiv in Schulen gegangen, um für das Handwerk und für den eigenen Betrieb zu werben. Genau das braucht es heute mehr denn je. Dabei geht es weniger darum, die Schüler von der Lehre oder vom traditionellen Kfz-Mechaniker-Beruf zu überzeugen. Vielmehr muss ihnen die spannende High-Tech-Welt des modernen Automobils näher gebracht werden: Elektronik, Assistenzsysteme, Entertainment, Elektromobilität: es hat sich so vieles geändert in den vergangenen 10 Jahren und es wird sich noch dramatisch viel entwickeln.
Wenn man High-Tech-Fachkräfte gewinnen und ausbilden möchte, kann man sie nicht zuerst jahrelang die Drecksarbeit in der Werkstätte machen lassen. Oder wie LIM Elmar Schmarl beim A&W WERKSTATT-FORUM gesagt hat: „Statt den Lehrling zum Zusammenräumen einzusetzen, sollte man lieber einen Hilfsarbeiter anstellen.“ Natürlich gehört der „schmutzige“ Öl-, Reifen- und Bremsenwechsel weiterhin dazu, aber es ist heute längst viel mehr als das: Diagnose, Updates, Apps, Kalibrieren, Hochvolt,...
Wir brauchen für die Zukunft keine Benzinbrüder unter den Hebebühnen, sondern Computer-Freaks hinter den Diagnosegeräten. Wir brauchen IT-Techniker und Elektronik-Spezialisten in den Werkstätten - und genau danach muss gesucht werden. Dabei haben die Kfz-Betriebe keine Zeit mehr, auf neue Ausbildungspläne, neue gesetzliche Regelungen oder ein Umdenken der Gesellschaft, insbesondere der Eltern, zu warten, die ihre Kinder lieber länger in die Schule schicken.
Gehen Sie in die Schulen, laden Sie junge Menschen (Burschen und Mädchen) ein und zeigen Sie Ihnen die modernen Anforderungen und Chancen. Dabei müssen Kfz-Unternehmer dieser Auto-Zukunft freilich selbst offen und interessiert gegenüber stehen, um diese Begeisterung zu vermitteln.
Als Inspiration darf ich Ihnen nochmals unsere ausgiebe Fokus-Strecke ans Herz legen, unter anderem mit einem spannenden Interview mit Ing. Ernst Römer, Direktor der Tiroler Fachberufsschule (TFBS) für Kfz-Technik in Innsbruck.
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