Die Gerüchte sind schon länger gelaufen, nun ist es Realität: Peter Marolin hat „Onlinecars“ verkauft. Auch wenn Konzept und Abwicklung in der Branche stark polarisiert haben, ist Onlinecars zweifellos eine Erfolgsgeschichte.
Nun wurde das Unternehmen von der Aramis Group gekauft, einem französischen Online-Gebrauchtwagen-Händler, der sich über mehrere Akquisen europaweit aufgestellt hat. Hauptaktionär ist seit 2016 PSA, also mitterweile Stellantis.
Stellantis geht bekanntlich „unkonventionelle“ Wege und nun liegt der Verdacht nahe, dass über Aramis auch jene Fahrzeuge vermarktet werden sollen, die über den Direktvertrieb zurückkommen. Denn das Thema GW ist in den neuen Vertriebssystemen noch weitgehend ungeklärt. Zwar hat Mercedes in seinem Direkt-Vertriebs-Konzept den Gebrauchtwagen beim Händler belassen. Bei den nun kommenden Lösungen (Stellantis, Ford, BMW) ist das offenbar noch nicht definiert. Und im Übrigen dürfen wir davon ausgehen, dass der Großteil der Autohersteller auf den Direktvertrieb umsteigen wird.
Der etablierte Handel hat die Entwicklungen im GW-Bereich in den vergangenen Jahren teilweise leider verschlafen, andernfalls hätten sich neue Anbieter, Zwischenhändler und Plattformen nicht so etablieren können. Auch die Flotten- und Leasingfahrzeuge kommen immer seltener zum ausliefernden Händler zurück, werden national oder international versteigert. Vieles geht schon jetzt am regionalen Handel vorbei.
Dabei ist der Gebrauchtwagen ein wichtiger Hebel zum Verkaufserfolg und ermöglicht dem regionalen Händler den entsprechenden Spielraum, das gilt umso mehr bei den Einheitspreisen des Direktvertriebs. Gleichzeitig sind die Erträge und die Werkstatt-Bindung durch den GW-Verkauf mehr denn je überlebenswichtig. Nach dem Wandel im Neuwagen-Vertrieb beginnt jetzt der Kampf um den GW-Markt.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
