Nach langen Verhandlungen der EU-Umweltminister haben sich die Mitgliedsstaaten dafür ausgesprochen, dass die Flottengrenzwerte ab 2035 auf null gesenkt werden sollen. Die Vereinbarung lässt allerdings auf Drängen Deutschlands die Möglichkeit offen, dass mit E-Fuels betriebene Verbrennungsmotoren auch nach 2035 noch zugelassen werden können. Ein endgültiger Kompromiss muss noch mit dem EU-Parlament ausgehandelt werden, das ein komplettes Aus für Neuwägen mit Verbrennungsmotoren gefordert hatte.
Ungeachtet des "Schlupflochs" für E-Fuels zeigte sich Komm.-Rat Prof. Burkhard Ernst, Obmann des Vereins „Mein Auto“, in einer Aussendung fassungslos über die Entscheidung. „Die Umstellung auf alternative Antriebe kann so schnell unmöglich bewerkstelligt werden. Sozial Schwache würde diese radikale Maßnahme am stärksten treffen“, warnt der Mazda-Händler und Wiener LGO des Fahrzeughandels, der einen Appell an die Politik richtet, in einen Diskurs mit der Industrie einzutreten.
ACEA fordert erneut mehr Ladeinfrastruktur
Um die ehrgeizigen CO2-Reduktionsziele zu erreichen, die von den europäischen Umweltministern vereinbart wurden, fordert der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) drastische Maßnahmen bei der Ladeinfrastruktur. Es gelte jetzt, alle Rahmenbedingungen zu schaffen, einschließlich des Aufbaus eines EU-weiten Netzes von Ladeinfrastruktur und des Zugangs zu den notwendigen Rohstoffen. „Um es ganz klar zu sagen: Die Automobilindustrie wird ihren vollen Beitrag zum Ziel eines CO2-neutralen Europas im Jahr 2050 leisten. Aber die Entscheidung des Rates wirft wichtige Fragen auf, die noch nicht beantwortet sind“, sagte Oliver Zipse, ACEA-President und CEO von BMW. Auch die europäische Händlervereinigung CECRA betonte erneut die Notwendigkeit eines Technologie-Mix, der alle relevanten Lösungen zur Reduzierung von CO2-Emissionen umfasse, und forderte alle EU-Mitgliedstaaten zum raschen Ausbau der Ladeinfrastruktur auf.
Deutsche eFuel Alliance begrüßt Berücksichtigung von E-Fuels
„Der im Umweltrat gefundene Kompromiss zur CO2-Flottengesetzgebung ist eine Chance, um an der überholten Regulierung zu arbeiten“, so Ralf Diemer, Geschäftsführer der eFuel Alliance e.V. „Wir brauchen einen ganzheitlicheren Ansatz. Wir begrüßen, dass der Umweltrat im Gegensatz zur Mehrheit des Europäischen Parlamentes, eine Berücksichtigung von klimafreundlichen eFuels zur CO2-Zielerreichung für die Automobilhersteller nicht vollständig ausschließen möchte.“ Als Anreiz für nötige Investitionen wird der Beschluss der Umweltminister allerdings auch nicht gewertet. Man verliere weiterhin wertvolle Zeit für Investitionen in Produktionsanlagen, so Diemer.
