Kauft E- statt Verbrennerautos, verblüffte VW-Boss Diess seine traditionelle Kundschaft mit der Aufforderung, ökologisch statt ökonomisch zu seinen Gunsten beim Autokauf zu handeln.
Der spargewalttätige Stellantis-Boss Tavares demonstriert an Opel seinen Mutwillen, aus einem deutschen Traditionsfabrikat eine im Konzern beliebig austauschbare Strommarke zu kreieren.
Der südafrikanische, kanadische US-Amerikaner Musk wiederum baut von den Umweltschützern unbehelligt VW auf deutschen Boden seine Tesla Giga-Factory vor die Nase.
Alles nicht vorhersehbar? Wir sahen 9/11 nicht kommen, nicht den Sturm auf das Kapitol und auch nicht den Fall Afghanistans. Was wissen wir sonst noch alles nicht? Falsche Frage, kann man da nur sagen, die richtige müsste heißen: Warum sagen wir nicht, was wir ahnen, das wir tun sollten?
Tavares zerschlägt sein gesamtes Händlernetz und trennt damit seine Marken brachial von seinen Kunden. Zwei oder drei Jahre wird er dem bedingungslosen Renditestreben noch frönen, um dann in den Ruhestand zu flüchten. Den Schaden, den er vor allem bei Opel anrichtet, müssen seine Nachfolger beheben, wenn es dann noch was zu reparieren gibt.
Diess ist ein kluger Mann, sonst stünde er nicht an der Spitze des weltweit zweitgrößten Automobilkonzerns. In weiser Voraussicht hat er den ökologischen Gaspedalabdruck seiner Belegschaft mit dem Entzug der werkseigenen Currywurst verbessert.
Sein Umstieg in die bedingungslose E-Mobilität ist da schon eine weit heiklere Nummer – von der Stammkundschaft als Freiheitsberaubung eingestuft.
Also taktiert er mit massivem Stellenabbau und flirtet mit Tesla. Gelingt sein Coup, den ich ungestraft laut weiterdenke, dann ist ihm ein Gratisflug von Musk ins Weltall sicher.
Bei der Führungskräftetagung des VW-Konzernherrn im österreichischen Alpbach war der Tausendsassa prompt per Video den 200 Spitzenmanagern zugeschaltet, um ihnen seinen Führungsstil zu erläutern.
Musks Ziele und auch die des Herrn Diess sind übergroß, sozusagen ein Warm-up für allfällige Allianzen der Stromjongleure. Abseits jeder Halbleiterkrise entfacht Diess einen Wettbewerb, der die Autowelt, auch die chinesische, in Atem hält.
Diess’ Sparring mit dem drei Pässe besitzenden „Rocketman“ soll die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen beflügeln, um – zum richtigen Zeitpunkt – den risikobehafteten Tesla-Konkurrenten zu schnupfen, und damit global den Elektrochinesen Paroli bieten zu können.
Unrealistisch? Wir sahen den Terroranschlag in New York, den Sturm auf die amerikanische Demokratiefestung Kapitol und auch den Aufstieg der Chinesen zur Weltmacht nicht auf uns zukommen und schon gar nicht die Regierungskrise mit dem einstigen Politik-Wunderknaben Sebastian Kurz im Justizfokus.
Der in München geborene Österreicher Diess schlüge mehrere Fliegen mit einem Schlag: Er zwingt VW bedingungslos auf E-Auto-Kurs, spart dabei teures Personal und versüßt seiner verbliebenen Belegschaft den Entzug der Currywurst mit staatlich gefördertem Medizingras.
Christian Lindner von der FDP wird das seinen rot-grünen Koalitionspartnern schon noch ins Regierungsprogramm diktieren können. Die Ökobilanz der Wolfsburger würde weiter aufgefrischt und dem Staat durch das angestrebte Verbrennermotoren-Aus dadurch entgehende Steuereinnahmen kompensiert werden.
In Zeiten, wo inzwischen auch Hund und Katz als fünftgrößte Ökosünder abgestempelt werden, ist nichts mehr denkunmöglich.
Und wer hätte gedacht, dass die jüngste Regierungskrise unserer NoVA-gebeutelten Autohandelsbranche doch noch eine bis 1. Mai 2022 gewährte Verlängerung der Übergangsfrist auf bestellte, jedoch noch nicht ausgelieferte leichte Nutzfahrzeuge mit sich bringt.
Es ist ein Etappensieg auf dem schwierigen Weg in auch 2022 rückläufige Pkw-Neuzulassungsergebnisse mit zu erwartenden zweistelligen Minusraten.
Abschließend sei namens der heimischen Autowirtschaft unseren ansonsten an dieser Stelle oft gerügten Branchenvertretern für ihre Beharrlichkeit bei den Regierungsstellen gedankt.
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