Auf nationaler Ebene ist das leider keine Überraschung, wenn man langjährige Prognosen berücksichtigt, den Blick auf andere Länder nicht scheut und das vergleichsweise dichte Händlernetz betrachtet. Das Büchl-Urteil, mit aller Relevanz für ganz Europa, war dabei nur ein kleiner Sieg: Mit den nun kommenden Agentur-Lösungen umgehen die Hersteller viele Probleme klassischer Händlerverträge.

Dazu kommen vielfältige, europaweite Veränderungen. So herrscht große Unruhe, inwieweit sich der Online-Vertrieb mit dem Paradebeispiel Tesla weiter entwickelt oder sich neue Vertriebsmodelle etablieren. Generell sind die Vertriebskosten sehr hoch, was vor allem bei den (momentan noch teuren) Elektroautos problematisch ist. Neue Anbieter, hauptsächlich Elektroauto-Hersteller aus China, drängen jetzt tatsächlich nach Europa. 

Nun erfolgt der vermutliche größte Umbruch in der heimischen Automobilgeschichte. Alleine die vergangenen Wochen (Ebner, AVAG, Denzel, Vogl+Co,...) haben gezeigt, in welche Richtung es geht. Die großen Autohändler suchen den Erfolg im Wachstum und sichern sich die besten Marken in der Region. Auch die Hersteller setzen noch mehr auf Größe. Nach den jüngsten Veränderungen bei Hyundai, Renault oder Toyota wird sich das auch bei Stellantis zeigen, wo nun viele Händler, die bislang „nur“ Opel, Peugeot, Citroen oder Fiat vertreten haben, versuchen, weitere Marken aus dem Konzernportfolio zu bekommen. Mit Auswirkungen auf alle anderen Marken und Händler. Das Markenroulette dreht sich.

Die kleineren Betriebe bleiben – was den Handel betrifft – damit vermehrt auf der Strecke. Die Chance für die Kleinen mit großer Kundennähe liegt im Service: Hybrid-Antriebe, die umfassende Elektronik und die lange Lebensdauer der Fahrzeuge benötigen (noch viele Jahre lang) gute Betreuung im After-Sales.

Selbstläufer wird das freilich keiner: Die Betriebe müssen sich als echte „Mobilitätsdienstleister“ positionieren. Sie sollten in der Digitalisierung – vom Marketing über Kundenbetreuung bis zur Fahrzeugwartung – absolut fit sein. Und sie müssen die richtigen Partner finden: ob das Serviceverträge mit Herstellern sind, Werkstattkonzepte oder Kooperationen mit anderen Spezialisten in der Region, hängt letztlich auch von der Zielgruppe ab bzw. vom Alter der Fahrzeuge dieser Kunden.

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