Wenn es um die Bewertung der globalen Autowirtschaft geht, hat bei den meisten Medienmachern der Verstand schon lange ausgesetzt. Da zählt es wenig, dass in der Veröffentlichung von Volkswagen zum „aktuell größten Automobilhersteller der Welt“ vor Toyota tatsächlich das Gegenteil belegt ist, nämlich dass die Produktions- mit den Zulassungszahlen disharmonieren.
Wenn man die China-Absatzmengen betrachtet, bleibt abseits der fortlaufenden Demütigung der europäischen Basismärkte (Produktion zu teuer, Autopreise hingegen nicht) immer weniger an nachhaltigen Ergebnissen übrig. Die Europa durch die mutwillige EU-Erweiterung auferlegten Bedingungen verstärken die Rezession, verschlimmern das Massenelend (damit meine ich nicht das Flüchtlingsdrama), die Schuldenlast erdrückt jede breitenwirksame Wachstumsinitiative.
Die von der EU zugedachten Machtbefugnisse machen viele Länder zu einer Art Protektorat, regiert von Institutionen, denen eine direkte demokratische Legitimation fehlt. Kein vernünftiger Beobachter zweifelt gleichzeitig daran, dass die neu kreditierten Milliarden Euro um jeden nur erdenklichen ökonomischen und politischen Preis verspielt werden. Der Zerfall der Euro-Zone wird dafür ebenso in Kauf genommen wie das Aufbrechen nationaler Gegensätze in der Union.
Das ergibt, gerade vor der Exportorientierung der deutsch-europäischen Wirtschaft, wenig Sinn. Den Marktchancen zu folgen ist nur Globalplayern möglich und das auch nur geraume Zeit, wie jetzt China mit der deutlichen Abkühlung seiner Wirtschaftsleistung zeigt. Jahrzehnte kommunistischer Planwirtschaft kann man keine kurzfristige kapitale Alternative entgegen stellen. Österreichs politisch propagierte Erfolge in den ehemaligen COMECON-Staaten reduzieren sich inzwischen auf veritable Verlustgeschäfte und bestätigen meine Annahme.
Das Stellen der Frage nach einem Kurswechsel in der eurozonalen Wirtschaftspolitik alleine ist zu wenig. Es bedarf einer aktiven regional orientierten Europapolitik. Da nimmt Europaprimus Volkswagen eine zentrale Position ein, die der nunmehr geächtete Ferdinand Piech längst in seinen Gedanken erfasst hat, jedoch der Geldpolitik nicht ins Konzept passen. So gesehen haben wir Europäer letztlich die Entscheidung zwischen wirtschaftspolitischer Hinrichtung und Kapitulation.
Billig in der Fremde zu produzieren und teuer in die Heimmärkte zu verkaufen kann bei steigendem Kaufkraftverlust auf Dauer nicht gut gehen. Daher ist es für die Bevölkerungsmasse völlig egal, ob Volkswagen Toyota in der Produktionszahl überholt oder nicht. Eine Erfahrung der letzten Monate scheint vielmehr zu sein, dass es eine europäische und lokal orientierte Politik braucht, die das Ringen in der globalen Geldwirtschaft nicht passiv, sondern aktiv mitgestaltet.
