Nach Veröffentlichung der Produktions- und Verkaufszahlen der „China Association of Automobile Manufacturers“ (CAAM) für Juni 2015 ist es amtlich: Im ersten Halbjahr sind die Autoverkäufe nur mehr um 1,4 % auf 11,85 Mio. Stück gestiegen. Angesichts dessen revidiert die CAAM ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 7 auf 3 %. Erstmals seit Beginn der Automobilbooms im Jahr 2005 scheint sogar ein Rückgang der Zulassungen vorstellbar.
Der Börsencrash auf dem chinesischen Aktienmarkt im Juli hat die Kaufbereitschaft chinesischer Kunden weiter getrübt. Für Juli ist daher ein Absatzrückgang zu erwarten, der sich in den Folgemonaten fortsetzen wird. Das trifft besonders deutsche OEM, allen voran die VW-Gruppe: Sie haben in China massiv Fertigungskapazitäten aufgebaut, ohne rechtzeitig die Trendwende zu erkennen.
Angesichts dessen erscheint die Strategie der VW-Führung in mehrfacher Hinsicht falsch: So hat VW den SUV-Tend in China komplett verschlafen. VW hat keine Low-Cost-Produktlinie für die chinesischen Käufer und auch kein „New Energy Vehicle“ im Schauraum. VW hat es versäumt, sich in den „fetten Jahren“ des Wachstums rechtzeitig für die mageren Jahre in China zu rüsten – und VW schickt weiterhin Manager nach China, die mit der chinesischen Sprache und Kultur nicht vertraut sind.
2015 könnte für VW also ein böses Erwachen bringen – ganz so, wie es Piëch befürchtet hat.
