Trotz schwierig(st)er Rahmenbedingungen im europäischen Reifenmarkt war zur Studienpräsentation von Roland Bergers „Zukunftsideen“ niemand aus Österreich vertreten – dabei ist der Verband der Reifenspezialisten Österreich (VRÖ) im BRV korporiert. Hülzer zeichnete in teils dramatischen Worten die Lage der deutschen Nation im Reifenersatzbedarfsgeschäft, zu abständlich sei bereits das Verhalten der Industrie zum Reifenfachhandel. Parallelen zum österreichischen Reifenfachhandel sind unverkennbar.

 

Der deutsche Reifenmarkt bringt dabei besorgniserregende Zahlen. In den Jahren 2011 bis 2014 hätten die im Reifenersatzgeschäft tätigen Distributionskanäle 2,6 Millionen Sommerreifen und 8,1 Millionen Winterreifen weniger an die Endkunden verkauft. „Wenn im Reifenersatzgeschäft in nur 4 Jahren 10,7 Millionen Pkw-Reifen weniger an den Verbraucher vermarktet wurden, dann muss man von einer deutlich nachlassenden Nachfragedynamik sprechen", so Hülzer. Gleichzeitig habe sich der Distributionsanteil der Reifenfachbetriebe im reinen Endverbrauchergeschäft von 41,5% (2008) auf 36,9% (2014) reduziert.

 

„Ich glaube jeder von uns weiß, dass es sich bei den skizzierten Entwicklungen nicht nur um ein temporäres Phänomen handelt, sondern um einen tiefgreifenden und fortschreitenden Strukturwandel, der die gesamte Branche des Reifenfachhandels erfasst hat", erklärte Hülzer. Cross-Selling und Ersatzerträge aus dem Kfz-Service sieht er als ungenügende Lösung, auch wenn dies von der Reifenindustrie empfohlen wird: „Nachdem man dem Margendruck seitens der Industrie nicht mehr begegnen konnte bzw. wollte, empfiehlt man nun den Weg vom Spezialisten zum Generalisten."

 

Mittlerweile gäbe es eine weiter Spreizung der unterschiedlichen Geschäftsmodelle und Ideen, die dem Strukturwandel begegnen. Dabei ist laut Hülzer bei allen erfolgreichen Betrieben eines gleich: „Sie haben sich vom reinen Anbieter zum Kümmerer entwickelt." Von der Industrie, die in Köln übrigens kaum vertreten war, ist wenig Unterstützung zu erwarten. Diese werde verstärkt den Ausbau der kontrollierten Distribution betreiben.

 

Für das „Geschäftsmodell Zukunft" hat der BRV die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt – auch wenn klar ist, dass es kein geschlossenes Zukunftsbild des Reifenfachhandels geben kann. Das Ergebnis sei vielmehr eine tiefgreifende Analyse der Ist-Situation und das Aufzeigen von Stellschrauben, so Hülzer. Zum Abschluss bleibt er optimistisch: „Trotz der nicht einfachen Lage dürfen wir den Mut nicht sinken lassen und müssen an die Zukunftsfähigkeit der Branche glauben."