Die Industrie hat jetzt herausgefunden, dass uns im Land die Arbeit ausgeht und die Arbeitslosenzahlen überquellen. Just der sozialistische Auto-Kanzler Bruno Kreisky (1911 bis 1990) gibt dem „geschundenen“ Autoland Österreich jene Argumentationsvorlage, die es braucht, um wieder Arbeitsplätze und damit Kaufkraft ins Land zu schaffen.
Kreiskys Austro Porsche wurde zwar nie Realität, war aber Stimulanz für nachhaltige automotive Betriebsansiedlungen, brachte den Austrokanadier Frank Stronach und in seinem Sog damit Tausende Arbeitsplätze ins Land. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich der Industriestandort Österreich zu einem Autoland entwickelt, wie die Industriellenvereinigung unermüdlich verheißt. Der Stellenwert des Autos ist enorm.
Inzwischen ist Kreisky mit dem GM-Werk in Aspern, der BMW-Ansiedlung in Steyr und als Initiator diverser Cluster in den Geschichtsbüchern verewigt, Stronach politisch geächtet wieder aus dem Land verjagt und unsere Regierung international zur Randerscheinung verkommen. Während frühere Regierungen Österreichs Interessen im Mittelpunkt führten, steht die heutige Staatsführung innerhalb der Europäischen Gemeinschaft ziemlich hilflos da und Staaten mit einst kommunistischer Prägung beginnen, uns den Rang abzulaufen.
Der Dreck der Schwerindustrie ist exportiert, die Grundversorgung fest in den Händen globaler Industriekonzerne, die durch permanente „Effizienzsteigerung“ – sprich Arbeitsplatzabbau – das letzte aus uns herauspressen. Wir als einst führende Wirtschaftsnation haben die Macht abgegeben, die eigenen Interessen im Land zu schützen. Ergo: In unserer zunehmend vernetzten, von Geheimdiensten durchsetzten Welt, können sich Führungspersönlichkeiten nicht länger in ihrem vom Volk abgekoppelten Einflussbereich einspinnen: Sie müssen Rechenschaft ablegen und auf die Stimmen demokratisch gesinnter frei denkender Menschen hören.
Politiker sind auf der globalen Bühne keine isolierten Akteure, die sich hinter einem Wall von sündhaft teuren Sicherheitsmaßnahmen verschanzen, der sie von den Menschen trennt, die täglich aufs neue ihre Existenz gefährdet sehen. Zentrales Thema ist die Zähmung der unberechenbaren globalen Märkte. Unsere Aufgabe ist es nicht, die Mächtigen zu unterstützen, sie brauchen uns nicht.
Das Problem ist allerdings, es gibt aktuell keine(n) charismatische(n) Poltiker(in) im Zuschnitt eines Kreisky oder einer Hertha Firnberg, „Primadonna assoluta“ in Kreiskys Kabinett. Heute fahren unsere Politiker ausnahmslos protzige Dienstwagen, zum Auto deklarieren getrauen sie sich nicht. Doch es muss getan werden, um unser schönes Land auch künftig erfolgreich zu gestalten.
