Ob Buch- oder Elektrohandel: Der Trend geht zum Internetvertrieb. In England habe ein Elektrodiskonter beispielsweise 11 große Niederlassungen eröffnet und schon nach eineinhalb Jahren wieder schließen müssen, weil die Kunden nach ausgiebigem Gustieren erst recht beim günstigeren Onlinehändler kauften, schildert Sarwant Singh, Global Practice Director bei Frost & Sullivan: „Dasselbe könnte in Zukunft auch mit Autohäusern geschehen.“
Laut Singh gibt es bereits konkrete Ansätze: Ford verkaufe seine Neuwagen in Großbritannien schon im Internet, Dacia nütze seine Autohäuser nur „als Backup-Lösung“ und Chevrolet bereite einen eigenen Online-Store vor. Zudem würden zahlreiche Hersteller Aktionsmodelle über branchenfremde Plattformen vermarkten.
Gemäß der neuen Studie ist sowohl ein „evolutionärer“ als auch ein „revolutionärer Omni-Channel-Ansatz“ denkbar. Bei ersterem Geschäftsmodell erfolgt zumindest die Auslieferung noch beim Händler. Bei zweiterem besteht laut Singh „nur noch minimaler oder möglicherweise gar kein Bedarf, niedergelassene Autohäuser einzubeziehen“.
Natürlich weiß man auch bei Frost & Sullivan um das Kundenbedürfnis nach Probefahrten und haptischem Kennenlernen von Fahrzeugen. Diesen Wunsch würden die Hersteller jedoch zunehmend mit „neuen kreativen Wegen“ vom digitalisierten Flagship Store bis hin zur stundenweisen Fahrzeugmiete abdecken.
„Eine zentrale Folge dieses von der Makro- auf die Mikroebene wirkenden Megatrends ist, dass die Räumlichkeiten der Autohäuser um etwa 20 % schrumpfen werden“, prognostiziert Singh. Zudem werde die Zahl der niedergelassenen Autohändler zurückgehen – sogar in den USA, wo es bislang die wirksamsten Gesetze zum Schutz des selbstständigen Autohandels gab. „Es sollte nicht überraschen, wenn zukünftig die Autohäuser aus dem Straßenbild verschwinden“, lautet das Fazit von Singh.
