Das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Druck auf den Handel steigt
angesichts rückläufiger Neuzulassungszahlen weiter. Auch im Internet
tobt eine noch nie da gewesene Rabattschlacht, die mittlerweile auch
medial Beachtung gefunden hat. Besonders günstige Angebote aus dem
Netz rufen Schnäppchenjäger auf den Plan, die Erwartungshaltung
seitens der Kunden, beim Autokauf hoheNachlässe zu erhalten, ist
sehr hoch. Wir fragten Händler, ob Online-Vermittlungsplattformen
unverzichtbare Frequenzbringer oder unvermeidbare Ertragsvernichter
geworden sind.
Kunden erwarten Rabatte
"Unser Autohaus beteiligt sich insofern nicht an der Preisschlacht,
die durch Online-Verkaufsplattformen ausgelöst wird, als wir Angebote
dort nicht platzieren", sagt Erich Blum, Geschäftsführer Autohaus
Blum/Dornbirn. "Dennoch tragen solche Plattformen dazu bei, dass der
Preisdruck bei den Kundengesprächen weiter ansteigt." Dies mache
natürlich auch Verkaufsgespräche zunehmend schwieriger. "Wir müssen
den Kunden erklären, dass es sich bei den Schnäppchen zumeist um
Einzelstücke handelt, die aus den unterschiedlichsten Gründen
günstiger angeboten werden und es nicht möglich ist, sich ein
Fahrzeug nach eigenen Wünschen mit ähnlichen Rabatten zusammenstellen
zu können."
Abwärtsspirale dreht sich weiter
"Leider dreht sich die Abwärtsspirale -was die Erträge betrifft
-immer weiter", sagt Komm.-Rat Konrad Steindl, Eigentümer von
Kfz-Betrieben in Salzburg, Oberndorf und Kuchl sowie Präsident der
Salzburger Wirtschaftskammer. Auf Plattformen, die Fahrzeuge günstig
vermittelten, würden seitens der Kunden auch oft Äpfeln mit Birnen
verglichen. "Es handelt sich dabei auch oft um deutlich
unterschiedlich ausgestattete Modelle. Potenzielle Käufer seien oft
enttäuscht, wenn sie merken, dass sie ihr Fahrzeug nicht selbst
konfigurieren können." Die weitere Entwicklung hänge vor allem von
den Herstellern ab. Solange esin Europa Überkapazitäten gebe, werde
die Preisschlacht vermutlich auch weitergeführt, sagt Steindl.
Zusätzliche Kosten
"Zwischengeschaltete Online-Vermittlungsplattformen kosten
zusätzliches Geld, das in Anbetracht der angespannten
Ertragssituation sicherlich anderswo fehlt", sagt Mag. Dieter
Unterberger, Geschäftsführer Autohaus Unterberger/Kufstein und
Tiroler Landesgremialobmann/Fahrzeughandel. "Es sollte daher überlegt
werden, ob der Handel die Vermarktung von preisreduzierten Pkws nicht
selbst steuern kann." Letztendlich werde der Druck auf den Handel,
möglichst viele Fahrzeuge abzusetzen, in absehbarer Zeit und sicher
auch in den letzten zwei Monaten dieses Jahres nicht sinken. "Dies
manifestiert sich auch daran, dass dieser Druck mittlerweile bei
jedem Ende eines Quartals steigt."
Verzerrtes Bild
"Ich kann nur jedem Händler-Kollegen raten, die Finger von
Online-Vermittlungsplattformen, in deren Mittelpunkt der günstigste
Preis steht, zu lassen", sagt Gerhard Burgstaller, Geschäftsführer
Autohaus Burgstaller/Spittal a.d. Drau. Angebote mit Preisnachlässen
von 40 bis 50 Prozent würden das Bild verzerren, Kunden würde
fälschlicherweise suggeriert, dass im Autohandel hohe Preisnachlässe
üblich seien. Darüber hinaus werde auch der Händler zur Kasse
gebeten: "Wenn es zu einer Vermittlung eines schon sehr günstigen
Fahrzeugs kommt, muss auch Provision bezahlt werden."
Eigene Webpräsenz wichtig
"Ich halte nichts von Vermittlungsplattformen, weil ich mein Geld
nicht vernichten will", sagt Josef Frischmuth, geschäftsführender
Gesellschafter Autohaus Danner/Grieskirchen. Vielmehr sei es gerade
im Onlinebereich -wie die Erfahrung gezeigt habe -wichtig, das eigene
Unternehmen mit einem entsprechenden Webauftritt zu präsentieren und
diesen auch kundengerecht aufzubereiten. Ergänzend sei es auch
entscheidend, einen freundlichen Umgang mit den Kunden zu pflegen
sowie ergänzende Dienstleistungen anzubieten, die oft gerne
angenommen werden würden. "Auch die Kunden merken, dass Schnäppchen
nicht immer halten können, was sie versprechen."
Begrenzter Handlungsspielraum
"Der Handlungsspielraum eines Unternehmers im Autohandel ist
begrenzt", sagt Franz Czeczelits, Geschäftsführer Czeczelits
Automegastore/Wiener Neustadt. Letztendlich würden drei Viertel des
unternehmerischen Handelns seitens des Importeurs bestimmt, wobei dem
Händler rund ein Viertel Gestaltungsmöglichkeit -ähnlich einem
Franchisebetrieb -bleibe. Online-Vermittlungsplattformen sollten
wederverteufelt noch überbewertet werden. "Sie bieten grundsätzlich
weitere Absatzmöglichkeiten." Wobei dabei seitens der Kunden schon
manchmal Vorstellungen von der Realität abweichen würden, "weil die
Erwartungshaltung, hohe Rabatte zu erhalten, steigt".
Kunden wird etwas vorgegaukelt
"Meiner Meinung nach helfen uns Verkaufsplattformen, die den Kunden
die billigsten Angebote zeigen, nichts", sagt Gerhard Lieskonig,
Geschäftsführer Autohaus Lieskonig/Neumarkt. Die Rabattschlacht würde
auch Kunden ein Preisniveau vorgaukeln, "das teilweise unter unserem
Einkaufspreis liegt", so Lieskonig. Dies verzerre natürlich auch die
Preisrealität. Es sei dadurch entsprechend schwierig, potenziellen
Autokäufern klarzumachen, dass hohe Rabatte, mit denen Kunden gelockt
würden, oft nur für Einzelstücke, aber nicht für nach Kundenwünschen
bestellte Fahrzeuge gewährt würden. "Letztendlich verstehen viele
Kunden das auch."
Zusätzliche Vermarktung
"Grundsätzlich können Internet-Plattformen wie Autogott durchaus Sinn
machen, wenn sie richtig genutzt werden", sagt Ing. Michael Nemeth,
Geschäftsführer Autohaus Nemeth/Eisenstadt. Vor allem einzelne,
schwer verkäufliche Modelle könnten online gut vermarktet werden.
"Natürlich kommt es auch vor, dass Kunden, die zu uns ins Autohaus
kommen, glauben, hohe Rabatte auch für andere, nachgefragtere Modelle
herauszuholen. Wir nehmen uns dann aber die Zeit, ihnen zu erklären,
dass dem nicht so ist und diese Angebote nur für einzelne, bereits
vorhandene Fahrzeuge gelten und machen ihnen auch Zusatzangebote.
Davon lassen sich die meisten Kunden dann auch überzeugen."
Nicht gleich verteufeln
"Internet-Vermittlungsplattformen wecken natürlich auch zusätzliche
Begehrlichkeiten bei den Kunden, weshalb sie nicht grundsätzlich
verteufelt werden sollten", sagt Mag. Özcan Yangöz, Geschäftsführer
Autohaus Team Fraenkl/Wien. "Allerdings entsteht durch derartige
Plattformen bei den Kunden auch der Eindruck, dass sich die
Nachlässe,die meist nur einzelne Fahrzeuge betreffen, über die ganze
Modellpalette erstrecken, was oft zu Missverständnissen und
Enttäuschungen führt." Wichtig sei es, aufgrund der angespannten
Ertragslage entsprechend aufzupassen, um bei der Preisschlacht, die
sich sicher fortsetzen werde, nicht auf derStrecke zu bleiben.