Bereits Anfang der 1950er-Jahre machte Ferry Porsche mit seinen Aluminiumkarosserien Furore. Inzwischen spielt Aluminium im Autobau eine immer größere Rolle. Doch nun könnte eine Revolution bevorstehen. Die Grundidee ist einfach: Für die Produktion von Aluminium wird viel elektrische Energie benötigt. Aluminium ist somit nichts anderes als ein Schwamm, der viel Strom aufgesaugt hat. Durch eine Umkehr des Produktionsprozesses gelingt es,das Aluminium wieder in elektrische Energie und Aluminiumoxyd zu verwandeln. Der Elektroantrieb des Autos erfolgt somit nicht mehr durch eine herkömmliche Lithium-Ionen-Batterie, sondern einen Generator.

Warum gerade Aluminium? Weil es im Verhältnis zu anderen festen Materialien eine besonders hohe Energiedichte hat (8,1 kWh/kg). Und weil es durch Elektrolyte wie Natronlauge (NaOH) oder Pottasche (KOH) äußerst rasch oxydiert und dabei Strom und Wärme abgibt. Genauso schnell stoppt dieser Prozess, sobald das Aluminium mit einer Oxydschicht überzogen ist. Wobei die Energieausbeute in Form von Strom derzeit bei 50 Prozent liegt. Die "überschüssige" Wärme wird beim Einsatz als Kfz-Antrieb zur Beheizung des Fahrzeuges verwendet.

Israelis forschten 14 Jahre lang

Aviv Tzidon und seinem Team vom israelischen Unternehmen Phinergy ist es nach 14-jähriger Entwicklung gelungen, diesen "Verbrennungsprozess" in ein praktikables Betriebssystem zu bringen. Im Generator werden Aluminiumplatten von beiden Seiten aus einem separaten Tank mit dem Elektrolyt umspült. Das dabei in der Stromzelle entstehende Aluminiumoxyd wird -solange Energie benötigt wird -weggespült. Sobald die Pumpe stoppt, endet durch einen "hydraulischen Trick" auch die Stromproduktion.

"Damit haben wir ein 100-mal höheres Potenzial als bei Lithium", verweist Tzidon auf die rosige Zukunft dieses Stromantriebes. Derzeit kommt man auf eine Energieausbeute von 300 W/h pro kg Aluminium. Im Vergleich dazu sind es bei Lithium-Akkus nur 100 W/h. "Damit kommen wir beim selben Gewicht auf eine dreifache Reichweite." Tzidon will die Effektivität des Prozesses weiter steigern.

Das Limit des Systems liegt derzeit beim Elektrolyt. Deshalb wird intensiv an der mehrfachen Wiederaufbereitung gearbeitet. Geht es nach den Vorstellungen der Entwickler, reicht im Auto ein 10-Liter-Tank, der an der Tankstelle schnell und einfach evakuiert und neu befüllt wird. Die Aufgabe des Tankwarts besteht darin, diese Flüssigkeit zu filtern und dem Kunden neues Aluminium zu verkaufen.

Erste Diskussionenüber Serienproduktion

Für Tzidon ist der auf der Fachmesse "Aluminium" in Düsseldorf erstmals präsentierte Kfz-Prototyp lediglich eine der künftigen Einsatzmöglichkeiten dieses lärm-und abgasfreien Strom-Generators. Schon nächstes Jahr sollen Großanlagen zur Ausfallssicherung bei Stromnetzen einsatzfähig sein. Mit den Vertretern der Industrie wird über erste Einsatzmöglichkeiten in der Serienproduktion diskutiert.

Aus der Sicht der Israelis wäre es viel billiger, anstatt des Aufbaus eines Stromtankstellennetzes die bisherigen Tankstellen zu einem flächendeckenden Servicenetz für die neuen Generatoren aufzurüsten. Ob das nur eine Illusion ist?"Das ist wie beim Handy. Vor 15 Jahren hat auch keiner die damit verbundene Revolution vorhergesehen", sagt Tzidon.

Die neue Technologie ermöglicht lediglich die Rückgewinnung jener Energie, die zuvor bereits zur Aluminiumproduktion benötigt wurde. "Es ist jene Energie, die vor Ort nicht genutzt werden kann", verweist Tzidon auf die ungeheueren Reserven an erneuerbarer Energie in Nordeuropa. Diese "grüne" Energie wird derzeit elektrolytisch zur Produktion von Wasserstoff als Energiespeicher genutzt. Mit diesem in den Süden verschifften Wasserstoff können dann Kraftwerke zur Stromproduktion betrieben werden. Oder der Wasserstoff kommt direkt in Brennstoffzellen, denen Techniker eine große Zukunft prophezeien.

Schmelzen, wo der Strom "grün" und günstig ist

Für Tanja Faißt von Alcoa Europe eignet sich Aluminium als wesentlich besseres Speichermedium. Aluminiumschmelzen können dort angesiedelt werden, wo billiger Öko-Strom zur Verfügung steht. Fernab der Industriezentren wird das Aluminiumerz in Alu verwandelt und die darin gespeicherte Energie in fester Form zu den Verbrauchern gebracht. Dort kann sie einfach und billig gelagert werden. Je nach Bedarf wird das Alu dort bei den Verbrauchern wieder in elektrische Energie rückverwandelt. Und zwar dann, wenn diese vor Ort -so etwa auch im Auto -tatsächlich gebraucht wird.