Ein eindeutiger Trend? Nein, den konnte man in Paris diesmal nicht ausmachen. Standen andere Autosalons (auch in Genf oder Frankfurt) seinerzeit oft im Zeichen einer bestimmten Fahrzeuggattung (etwa der Elektroautos) oder stellten die Wege in eine neue Richtung (beispielsweise für benzinsparende Modelle), so gab es in der Stadt an der Seine diesmal eine Mischung aus allem: Neue Kleinstwagen standen ebenso auf den Ständen wie sündteure Sportwagen. Spritsparende Modelle mit neuester Technologie fanden sich neben US-Modellen, deren Benzindurst nach wie vor kaum ersättlichscheint.
An den 16 offiziellen Messetagen passierten heuer um 22.097 Besucher mehr die Drehkreuze in den Hallen an der Porte de Versailles als beim Salon im Jahr 2012. Damit untermauerte Paris eindrucksvoll seine Rolle als besucherstärkste Automesse (vor Tokio im Vorjahr mit 902.800 und Frankfurt 2013 mit 881.100 Gästen).
Krisen in Russland und der Ukraine
Auch wenn sich die Branche nach außen hin mit viel Optimismus umgibt, sind es doch die kleinen Nuancen in den Gesprächen, die aufhorchen lassen: etwa wenn man die Manager, die wir auch diesmal in großer Zahl zu Interviews trafen, auf die Situation in Russland anspricht. Die starken Neuzulassungs-Rückgänge infolge der Rubel-Abwertungen und der Einfuhr-Beschränkungen aufgrund der EU-Sanktionen haben ja durchaus auch Auswirkungen auf Westeuropa, da Zulieferer ihre Produktionen kürzen müssen. Und die Vertriebsmanager haben massive Probleme, ihre Händler im Osten der Ukraine und auf der Halbinsel Krim zu beliefern.
Innovation bis hin zum selbstfahrenden Audi
Hochwertig, sportlich und innovativ: So beschreibt Audi-Vorstandsvorsitzender Prof. Rupert Stadler die bayerische Marke des VW-Konzerns. Diesem Anspruch folge das virtuelle Cockpit des TT, bei dem Navigation, Geschwindigkeitsanzeige und vollelektronische Sprachsteuerung miteinander vernetzt sind. Er kann sich für Audi pilotiertes Fahren, die selbstständigen Fortbewegung des Autos, vorstellen: Das entspreche auch dem Wunsch fahraktiver Kunden, die in unfallbedingtem Stopp-and-Go-Verkehr einmal konzentriert telefonieren könnten. Audi wolle junge Kunden gewinnen und sie punkto Mobilität durch alle Lebensphasen begleiten: Auch wenn es in erster Linie um den Fahrzeugerwerb geht, bestätigte Stadler auch Car-Sharing-Pilotprojekte. In Zeiten zunehmenden Internethandels und via Netz perfekt vorinformierter Kunden "routet Audi den Fahrzeugverkauf im Kern immer über den Handel", so Stadler. "Mit dem Kaufist es ja nicht getan. Dann beginne das Aftersales-Geschäft.
Citroën: Mit Emissionsminderung und DS zum Erfolg
Mit einem separaten Auftritt, dem man als mystischschillernd empfinden konnte, war die designzentrierte Citroën-Marke DS in Paris vertreten: "Salons DS" sollen, auch in Österreichs großen Städten, dank des Engagements der Partner, zunehmend Kunden anziehen. Vorbild ist dabei der Standort des Herstellers in der Wiener Triester Straße. Bis 2020 soll es in den 200 größten Städten DS-Stores geben. "DSbraucht Bekanntheit", sagt Bruno Bloquel, unter anderem für Österreich zuständiger Sales and Operations Director Zentral-und Nordeuropa. 2015 laute das Ziel, mit den rund 500 Händlern die gut 4,5 Prozent Marktanteil in der Region (einschließlich leichter Nutzfahrzeuge) weiter zu festigen, was mit der neuen Produktpalette gelingen sollte. Mit Modellen wie dem neuen Berlingo wolle man im derzeit noch nicht signifikanten Elektrofahrzeuggeschäft bleiben.
Ford setzt auf Vignale-Schauräume
Neuigkeiten für die Händler -auch in Österreich -kündigte Roelant de Waard, Vice President von Ford Europe, im Interview an: Mitte 2015 will der US-Hersteller in Europa mit der Errichtung der Schauräume für die exklusive Vignale-Kollektion beginnen: So will man Kunden, die ihren Mondeo, S-MAX oder Galaxy ganz exklusiv konfigurieren wollen, ein besonderes Ambiente in den Schauräumen bieten. Wie viel die Händler in die Hand nehmen müssen, wollte de Waard nicht beziffern. Klar ist aber jedenfalls: Es wird bei den betroffenen Händlern sicher zahlreiche Umbauten geben müssen.
Hyundai: Qualitätsverkäufe mit neuen Modellen
Allan Rushforth, der nun die weltweite Vertriebsleitung bei Nissanübernommen hat, erläuterte in Paris noch als Senior Vice President und Chief Operating Officer von Hyundai Motor Europe die aktuelle Strategie des koreanischen Herstellers: den Schwenk von der rein an Marktanteilen und Stückzahlen orientierten Volumen-zu einer Verkaufsstrategie, die zusätzlich auf die Qualität der Verkäufe und zur Eroberung neuer Kunden auf die neuen Produkte baut. Das gelte nicht nur für den neuen i20, der zwischen B-und C-Segment als VW-Golf-Alternative einzustufen sei und der ab Jänner 2015 auf den Markt kommen wird. Auch den neuen Transporter H 350 wolle der Hersteller in dem wettbewerbsbetonten Segment bewusst nicht über die Rabatte verkaufen. Es gehe darum, mit dem Modell die Profitabilität zu erhalten und Strukturen für die künftige komplette Nutzfahrzeugreihe aufzubauen. Zielgruppe seien kleinere Unternehmen, bei denen der Transporter "als Brückenkopf für das Geschäft mit der Pkw-Modellpalette dienen" soll.
Kia: 50 Prozent Steigerung bei rückläufigem Markt
Michael Cole, Chief Operating Officer von Kia Motors Europe, geht in den 31 von ihm verantworteten Märkten -nicht zuletzt durch den mit 7 bis 8 Prozent Steigerung unerwartet guten Start im 1. Quartal 2014- heuer im Schnitt von 6 Prozent und 2015 von ungefähr 3 Prozent Wachstum aus. Das Vertrauen der Konsumenten in die Wirtschaft und die Nachfragen in einzelnen Märkte charakterisiert er als "sehr unterschiedlich" und teilweise "unsicher und verletzlich".
In der Region Westeuropa werde Kia heuer mit nahezu 360.000 (2013: 339.000) Einheiten und damit 5 aufeinanderfolgenden Jahren mit Zuwächsen abschließen: Von 2009 bis 2014 habe die dann ihre jährlichen Verkäufe um insgesamt fast 50 Prozent gesteigert - und dies "bei einem gegenüber 2008/09 vielleicht 15 Prozent gesunkenen europäischen Pkw-Markt".
Guyton: Mazda hat Premiumkunden im Visier
Mazda habe in den vergangenen 4 bis 5 Jahren -in wirtschaftlich schweren Zeiten -nicht auf die Umsetzung neuer Standards gedrängt. Nun sei es Zeit, einen neuen Look&Style umzusetzen, die zu den Kunden passe, die man mit den neuen Modellen von anderen Marken in die Mazda-Schauräume bringen wolle -vor allem Premiumkunden, sagt Jeff Guyton, President&CEO von Mazda Europe. Wichtig sei dabei, dass der Hersteller eine Lösung erarbeitet habe, mit der die Händler den neuen Auftritt optisch beeindruckend und im Vergleich mit dem Wettbewerb um weniger als die Hälfte oder vielleicht sogar für ein Drittel der Investitionen umsetzen könnten. Auf die Frage, ob der Mazda 6 nicht vielleicht zu groß für die Städte imalten Europa geraten sein könnte, meint Guyton verschmitzt: "Dafür haben wir den Mazda 3 im Programm!" Der 1,5-Liter-Diesel des neuen Mazda 2 werde auch in anderen Modellen eingesetzt werden.
Mitsubishi will weiter wachsen
Ob Mitsubishi seine Kooperation mit dem PSA-Konzern bei der Produktion aufrecht erhalte, sei noch nicht entschieden, sagte Produktmanager Kanenori Okamoto: "Wir reden von Modell zu Modell. Ob auch die nächste Generation des Mitsubishi ASX von Peugeot und Citroën unter eigenem Namen verkauft wird, ist noch nicht entschieden. Wir sind aber offen für Diskussionen." Bisher hätte die Kooperation jedenfalls beiden Seiten Erfolge gebracht. Das gelte, wenn auch in geringerem Umfang, auch für das Elektroauto i-MiEV, das ebenfalls von Mitsubishi entwickelt und gebaut worden sei und von den beiden französischen Herstellern als Peugeot i-On bzw. Citroën C-Zero vermarktet werde.
Nissan setzt auf Erfolg des neuen Pulsar
Die Rückkehr seiner Marke in die Welt konventioneller Produkte verteidigte Paul Willcox, Europa-Chef von Nissan. "Wir wollen in Europa einen Marktanteil von 5 Prozent. Das war aber bisher nicht möglich, weil wir in einigen Segmenten nicht vertreten waren." Dies werde sich nun ändern, etwa mit der Lancierung des Pulsar im C-Segment. "Wir wissen aber natürlich auch, dass der Markt gerade sehr zäh ist, auch wenn wir gerade in Südeuropa eine gewisse Erholung sehen." Man müsse versuchen, aus jedem einzelnen Land das Maximum an Volumen herauszuholen. Auch aus Russland?"Hier ist es für uns seit Jahren rauf-und runtergegangen", analysiert Willcox: "Ich hoffe, dass sich der Markt nach dem großen Minus nun stabilisiert und er dann wieder langsam wächst."
Opel will junge Kunden ins Boot holen
Tina Müller, Marketing-Chefin von Opel, kündigte im A&W-Interview an, sich in den kommenden Jahren auch verstärkt um die bisherigen Chevrolet-Kunden kümmern zu wollen: "Der neue Karl, den wir nächstes Jahr auf den Markt bringen, ist das perfekte Auto für sie. Seit dem Wegfall des Spark haben diese Leute ja kein wirkliches Angebot mehr." Außerdem will man mit diesem Kleinwagen im Preissegment von 10.000 Euro auch mehr junge Kunden für die Marke Opel anziehen, der Karl kommt 2015 auf den Markt: "Es leben ja nicht alle in Städten wie Berlin oder Wien, wo sie nicht mehr unbedingt sofort ein neues Auto brauchen."
Kunden online wie offline betreuen
2013 sei Renault nicht nur die Gruppe mit dem stärksten Marktanteilswachstum -auch dank Dacia- gewesen, sondern habe mit Clio, Captur und Zoe den Grundstein für die Erneuerung der kompletten Modellpalette gelegt. 2014 sei besser gelaufen als erwartet, so Renault-Europachef Stefan Müller, folgten Twingo, Trafic und in Paris der neue Espace. Das2015 weiterlaufende Produktfeuerwerk enthalte auch noch 2 Überraschungen im Bereich Crossover/SUV, verriet Müller. Er geht 2015 von einer Erholung des Markts in Europa aus: Dann greife das Renault c@re-Programm, das von der Schauraumgestaltung bis zum Internetauftritt reiche und die Kundenbetreuung online wie offline zu 100 Prozent sicherstellen und für einen deutlichen Sprung nach vorn punkto Eroberung, Loyalität und Kundenzufriedenheit sorgen solle. Was den Ertrag betreffe, werde sich der Handel an den Besten, die auch in Krisenzeiten gutes Geld verdienen, ein Beispiel nehmen müssen.
Suzuki baut Modellpalette weiter aus
Auf eine deutliche Ausweitung der Produktpalette setzt auch Yoshinobu Abe, neuer Europachef von Suzuki. "Wir bringen jedes Jahr ein neues Modell: So planen wir Wachstum", sagte der Japaner im Interview mit A&W. Nach dem kleinen Celerio (Österreich-Premiere im Jänner 2015) und dem Vitara (März 2015) kommt ein Jahr später auch ein neues Modell im B-Segment auf den Markt: "Dann wollen wir unsere Palette Stufe um Stufe umbauen." Ziel sei es, 2017 wieder 300.000 Einheiten in Europa zu verkaufen, das ist fast die Hälfte mehr als derzeit.
Viele Manager ausÖsterreich
Dass sich ein Besuch eines Autosalons auch im Zeitalter des Internets nach wie vor auszahlt, bewiesen auch die zahlreichen Besucher ausÖsterreich (siehe Fotostrecke). Denn nirgendwo sonst kann man sich einen so guten Überblick über die Neuheiten (vor allem über jene der Mitbewerber) verschaffen wie auf einem Autosalon. Als nächste (wenn auch längst nicht so große) Ausstellung steht dann die Vienna Autoshow vom 15. bis 18. Jänner 2015 auf dem Programm.
Spezialgebiet mit Wachstums-Chancen
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