Zuletzt häuften sich Aussagen, die auf eine bevorstehende Erhöhung der Mineralölsteuer hindeuten. Rollt die nächste Belastungswelle auf uns zu?

Dr. Felix Clary: Wir werden alles daran setzen zu verhindern, dass es zu einer weiteren steuerlichen Schlechterstellung der Autofahrer kommt. Einerseits ist die finanzielle Belastung inÖsterreich schon jetzt so hoch wie in fast keinem anderen europäischen Land, andererseits beweist die jüngste Anhebung von NoVA und motorbezogener Versicherungssteuer, dass höhere Steuern nicht automatisch zu höheren Einnahmen für den Fiskus führen. Im Gegenteil: Seit der Steuererhöhung im März geht der Automarkt zurück, und zwar ganz besonders bei privaten Kunden. Für den Finanzminister ist das kontraproduktiv.

Die Debatte zeigt erneut, wie sehr die Autobranche in der Defensive steckt.

Clary: Die Automobilwirtschaft ist sehr aktiv, wenn es um Gespräche mit Behörden und Regierungsvertretern geht. Beispielsweise haben wir Umweltminister Rupprechter, dessen Steuerideen Sie ansprechen, persönlich unsere Themen vorgestellt und einige Studien überreicht. Doch leider interessieren sich viele Politiker nicht für sachliche Informationen. Sie fürchten den medialen Mainstream, der sich derzeit klar gegen das Auto richtet. Diese veröffentlichte Meinung einiger weniger entspricht aber nicht der öffentlichen Meinung. Für die breite Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher ist die individuelle Mobilität mittels des eigenen Autos nach wie vor unverzichtbar. Auch deshalb werden sich weitere autofeindliche Maßnahmen bei den nächsten Wahlen als politischer Bumerang erweisen.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Autobranche mehr Gehör findet?

Clary: Wir tun viel, doch vergleichsweise wenig wird berichtet. Damit müssen wir vorerst zu leben lernen. Nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" dürfen wir aber nicht aufhören, unsere Themen zu spielen, sowohl über Lobbyingkontakte als auch über die Pressearbeit. Wir dürfen beispielsweise nicht zulassen, dass versucht wird, das Auto komplett aus den Städten zu verbannen -das ist eine realitätsferne und ideologisch motivierte Verkehrspolitik, die überhaupt nicht den Wünschen der Bürger entspricht.

Wie lauten derzeit die konkreten Projekte?

Clary: Zum einen sind wir vollauf mit der Vorbereitung der Vienna Autoshow 2015 beschäftigt, die Jahr für Jahr die größte öffentliche Plattform für das Automobil in Österreich ist. Gleichzeitig planen wir eine Anpassung und Erweiterung unserer Studie "Autoland Österreich". Darüber hinaus gelingt es Woche für Woche, im Rahmen der ORF-Sendung "Autofocus" beinahe eine halbe Million Menschen mit unseren Themen zu erreichen. Dazu entwickeln wir weitere Ideen, um unsere Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken.

Einsam oder gemeinsam?

Die Theorie klangüberzeugend: Wenn Importeure und Kfz-Einzelhändler ihre Kräfte bündeln und zudem weitere Interessengruppen für das "Forum Mobilität.Freiheit.Umwelt"(MFU) gewinnen, könnte der Individualverkehr ein starkes Sprachrohr erhalten. Doch die Vision des Lobbyisten Wolfgang Rosam ging nicht auf. Bundesgremialobmann Komm.-Rat Burkhard Ernst macht dafür die Importeure verantwortlich: "Die nach außen getragene Einheit war nur eine Farce. Sie wurde von den Importeuren offensichtlich gar nicht gewollt."

Clary schießt zurück: "Wenn Gremialobmann Ernst weiterhin in der Fachöffentlichkeit etwas ganz anderes sagt als in internen Gesprächen, sehen wir uns als Importeure gezwungen, allein unseren Weg zu gehen." Zur Grundidee des MFU stehe man nach wie vor, doch eines müsse klar sein: "Aus unserer Sicht steht fest, dass es keine Zusammenarbeit mit der Agentur Rosam mehr geben wird."