Unter manipulierten Kilometerständen haben nicht nur
Gebrauchtwagenkäufer, sondern auch seriöse Fahrzeughändler zu leiden.
Deshalb schließen Gewerbevertreter und Konsumentenschützer die
Reihen: Dem alltäglichen Verbrechen soll endlich ein Riegel
vorgeschoben werden.
3von 10 Gebrauchtfahrzeugen, die in der EU verkauft werden, könnten
laut Expertenschätzungen einen zu niedrigen Kilometerstand aufweisen.
Der dadurch entstehende volkswirtschaftliche Schaden wird mit 5,6 bis
9,6 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Besserung ist nicht in Sicht
-im Gegenteil: Je weiter es sich herumspricht, dass mittels frei
erhältlicher elektronischer Helfer in Sekundenschnelle mehrere
tausend Euro "verdient" werden können, desto größer ist die
Verlockung.
Appell an Brüssel
Die europäische Kfz-Gewerbevereinigung CECRA machte schon vor
Längerem auf diese Problematik aufmerksam. Nun gelang es, zahlreiche
weitere Interessenvertreter -darunter die einflussreiche
Weltautoorganisation FIA - für einen gemeinsamen Appell an das
Europäische Parlament zu gewinnen.
"Der Tachobetrug führt zu einer groben Verzerrung des
Gebrauchtwagenmarktes, schädigt das Ansehen von Autohändlern, könnte
die Umwelt und die Verkehrssicherheit negativ beeinflussen und ist
häufig auch mit einer Abgabenhinterziehung verbunden", heißt es in
dem Anfang Oktober versandten Schreiben.
Der Wunsch der Unterzeichner: "Ohne unverhältnismäßige Mehrkosten
oder bürokratische Belastungen" sollen, etwa durch
Kilometerdatenbanken und technische Adaptionen von Neufahrzeugen,
Betrügereien drastisch erschwert werden.
Belgien als Vorbild
Dass dies mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich ist, beweist
das Beispiel von Belgien. Dort trat 2004 ein Gesetz in Kraft, das es
vorschreibt, bei jedem Werkstattaufenthalt den Kilometerstand
aufzuzeichnen. Dadurch sei der Tachobetrug "nahezu ausgerottet"
worden, berichtet Bernard Lycke, Generaldirektor der CECRA.
Finanziert wird das System ausschließlich über einen (in der Regel
vom Fahrzeugverkäufer bezahlten) Preis von 7 Euro pro
Kilometerzertifikat. Einzig der Fahrzeugexport aus Belgien in andere
Länder berge noch ein gewisses Manipulationspotenzial, erzählt Michel
Peelman, Leiter des mit der Abwicklung betrauten Unternehmens
"Car-Pass", aus der Praxis.
Wann handelt die Politik?
InÖsterreich unterstütze das Bundesgremium des Fahrzeughandels die
Einführung derartiger "Kilometerdatenbanken", sagt der
stellvertretende Obmann Komm.-Rat Mag. Dr. Gustav Oberwallner:
"Gemeinsam mit Eurotax arbeiten wir an einer entsprechenden
technischen Lösung." Dieses System wird freilich nicht vor 2015 zur
Verfügung stehen und hat zudem den Haken, dass es auf Freiwilligkeit
beruht. Um tatsächlich alle Fahrzeuge zu erfassen, wären
entsprechende Schritte des Gesetzgebers nötig: Doch dazu konnten sich
die heimischen Politiker, ansonsten der Anlassgesetzgebung keineswegs
abhold, bishernicht durchringen.