Harley-Davidson ist nicht irgendeine Marke. Das wurde auch beim
"Townhall Meeting" in Wien deutlich, bei dem sich der Konzernchef
bemerkenswert offen den Fragen der Händler stellte.
Als Achtjähriger saß Matt Levatich zum ersten Mal auf einem Motorrad.
Ob er sich damals hätte träumen lassen, dass er einmal zum
Präsidenten und Chief Operations Officer von Harley-Davidson
avancieren wird? In dieser Funktion kam Levatich Mitte Oktober nach
Wien, um mit Händlern aus Österreich, Süddeutschland und der Schweiz
aktuelle Themen zu erörtern. Im Rahmen der Veranstaltung am neuesten
österreichischen Standort, mit dem sich übrigens der langjährige
Europcar-Chef Mag. Erich Windisch vor eineinhalb Jahren selbstständig
gemacht hatte, blieb Zeit für ein ausführliches Interview.
Weltweite Expansion
Exakt 223.569 Motorräder konnte Harley-Davidson in den ersten drei
Quartalen des heurigen Jahres ausliefern. Das sind mehr als im
gesamten Jahr 2010, sodass das diesjährige Ziel von 270.000 bis
275.000 Einheiten sehr realistisch erscheint. Immer wichtiger würden
dabei die Exportmärkte, erläutert Levatich: "Wir haben 2009 das Ziel
formuliert, 40 Prozent unserer Stückzahlen außerhalb der USA zu
erzielen." Bislang sei schon eine Steigerung von rund 30 auf 35
Prozent gelungen: "Wir haben über 120 neue Händler außerhalb der USA
ernannt, sodass es erstmals mehr Händler in den Exportmärkten als in
den USA selbst gibt. Wir sind nunmehr in 89 Ländern aktiv und wir
unterhalten 21 Niederlassungen in aller Welt -beinahe doppelt so
viele wie 2009."
Rekorde inÖsterreich
AuchÖsterreich ist für die amerikanische Kultmarke ein
Wachstumsmarkt. Hier gelang es im Oktober, mit 1.159 Verkäufen an
Endkunden das Ergebnis des Vorjahres zu egalisieren. Mittelfristig
sollen mindestens 1.500 Einheiten in der Zulassungsstatistik stehen,
was nicht zuletzt auf den sukzessiven Ausbaudes Vertriebsnetzes
zurückzuführen ist. Dieses ist mit 9 Händlern nunmehr vollständig
aufgestellt.
Dass Harley-Partner tendenziell höhere Investitionen tätigen müssen
als Händler anderer Marken, stellt Levatich übrigens nicht in Abrede:
"Dafür haben wir aber deutlich weniger Händler, sodass die
Stückzahlen pro Standort höher sind. Außerdem können unsere Partner
mehrere Ertragskanäle bis hin zu Bekleidung, Zubehör und Vermietung
nützen."
Weltweite Gemeinschaft
Unterscheiden sich die heimischen Harley-Käufer von den Kunden in den
USA? Nicht im Geringsten, meint Levatich: "Wo auch immer ich
unterwegs bin, die Verbindung zwischen Fahrer, Motorrad und Marke ist
die gleiche. Das ist vielleicht die erstaunlichste Sache an
Harley-Davidson."
Levatich spricht vom "Traum der persönlichen Freiheit", der Menschen
in aller Welt verbinde: "Wenn die Leute auf einer Harley-Davidson
unterwegs sind, fühlen sie das ganz von selbst, ohne dass wir
Millionen an Marketinggeldern dafür ausgeben müssen."