Als Andrej Lawrentjew, Präsident der kasachischen AllurGroup, vor einigen Jahren die lokale Montage der von seiner Firma importierten Marke Ssang Yong anregte, waren die Koreaner dafür. Sie wollten aber, dass das Montagewerk im Norden Kasachstans nahe der russischen Grenze liegt.

Lawrentjew hat verschiedene Standorte abgeklappert und ist in Kostanai fündig geworden. Das dortige AgromaschHolding-Werk, noch in der Sowjetzeit zur Produktion von Deutz-Motoren errichtet, ist lange Zeit eingemottet gewesen und hat später Mähdrescher produziert. Heute besitzt die AllurGroup 50 Prozent von AgromaschHolding und hat die Managementkontrolle inne.

SsangYong und die anderen

2009 startete in Kostanai die einfache SKD-Montage von SsangYong-Modellen, später kamen ZAZ und Iveco und im Vorjahr Peugeot dazu. Ende 2013 wurde mit dem Montagestart des SsangYong Nomad erstmals in kasachischer Geschichte ein Pkw im CKD-Verfahren, das Schweißen und Lackieren inkludiert, gebaut. Der Nomad, eine leicht modernisierte Version des alten Actyon, soll laut Lawrentjew auch exportiert werden. Die AllurGroup baut das Markenportfolio weiter aus. Heuer ist in Kostanai die Montage des Toyota Fortuner (CKD) sowie mehrerer Hyundai-Modelle (SKD) angelaufen. Im Oktober wurde ein weiteres Montageprojekt mit der chinesischen Firma Geely vereinbart. Die Firma baut Autos für den eigenen Bedarf und agiert auch als Auftragshersteller.

Lada-Produktion geplant

Ein weiteres Zentrum der jungen kasachischen Autoindustrie entstand inÖskemen (russisch Ust-Kamenogorsk). Dort hat das von der Firma Bipek Avto kontrollierte Werk Azia Avto 2003 die Montage des Lada Taiga aufgenommen. Heute werden neben dem Taiga auch Chevrolet-,Kia-und Skoda-Modelle zusammengebaut. Noch handelt es sich um einfache SKDMontage, doch ein Joint Venturevon Bipek Avto und Lada-Hersteller AvtoVAZ errichtet eine komplett neue CKD-Fabrik mit der jährlichen Kapazität von 120.000 Einheiten. Das Werk soll ab 2017 Lada-Modelle bauen, doch auch die Montage von Allianzmarken Renault oder Nissan ist nicht ausgeschlossen. Ein Teil der Autos soll nach Russland und in andere Länder der Region gehen.

Kasachstan ist für Lada der größte Exportmarkt. AvtoVAZ-Präsident Bo Andersson hat das Land in den letzten Wochen gleich zweimal besucht, um kasachische Toppolitiker zu treffen und die Kooperation voranzutreiben. Neben den Vertriebsaktivitäten in Kasachstan wird Bipek Avto nun auch die Verantwortung für den Lada-Verkauf in der russischen Region Sibirien übernehmen.

Aufstrebender Markt

Der kasachische Automarkt hat zuletzt deutlich zugelegt. Noch vor einigen Jahren waren der Neuwagenabsatz klein und die Gebrauchtwagenimporte groß. Mit dem Beitritt zur Zollunion mit Russland und Weißrussland sind die Neuwagenverkäufe gestiegen. Zwischen Jänner und August wurden knapp 100.000 neue Pkws verkauft, um 7,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2013. Zwar wurde auch in Kasachstan in den letzten Monaten ein Absatzrückgang registriert, doch Experten rechnen für die Zukunft mit noch größeren Verkäufen. Klarer Marktführer ist Lada mit mehr als 30.000 Einheiten, gefolgt von Kia, Hyundai, Chevrolet, Toyota, Daewoo und Renault.

Trotz der steigenden Bedeutung des Marktes sind einige Marken in Kasachstan nur schwach oder gar nicht vertreten. Aktuell läuft eine Diskussion darüber, welches Auto unter den Teilnehmern der ersten kasachischen Abstimmung zum Auto des Jahres als erster Preis verlost wird.

Einige schlagen einen Opel vor, weil damit die Objektivität garantiert bleibt. Opel wird nämlich in Kasachstan gar nicht angeboten