Nicht nur im Handel, selbst den Werkstätten bleiben zunehmend die Kunden aus. Manche Unternehmen wissen daher nicht, wie sie die Weihnachtsgehälter auszahlen sollen. Schuld daran sind auch die Investitionen und laufenden Fixkosten, die den Markenbetrieben mit immer höheren Standards aufgelastet werden. Vor allem kleinere Betriebe werden damit überproportional belastet. Branchen-Doyen Komm.-Rat Ing. Josef Schirak vermutet, dass einige Kfz-Hersteller mit dieser Strategie "überflüssige" Partner los werden wollen.

Standards müssen den Bedürfnissen der Kunden dienen

Im Jahr 2003 hat die Europäische Kommission in Brüssel mit einer neuen Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) den Wettbewerb innerhalb der Markennetze -den sogenannten Intrabrand-Wettbewerb -massiv angeheizt. Jedem Kfz-Unternehmer (nicht nur in Österreich) wurde das Recht eingeräumt, sich um zusätzliche Markenverträge zubewerben. Ausschlaggebend war nur, dass er die vom Hersteller vorgegebenen Standards erfüllt. Dann durfte ihm der Hersteller die Autorisierung als Markenwerkstätte nicht verweigern.

Damit drängten zusätzliche Betriebe in die Markennetze -besonders volumenstarke Marken waren sehr begehrt. Die Konzernstrategen sannen auf Abhilfe -und erfanden die Standardanhebung. Verlangten Investitionen, welche die Werkstattpreise weiter in die Höhe trieben. Die Kommission sah sich daher zu einigenKlarstellungen veranlasst. Etwa, dass die Standards in erster Linie den Bedürfnissen der Konsumenten zu dienen haben -und nicht zur Blockierung des freien Werkstattzuganges. Was die Hersteller einige Jahre beherzigten.

Auch für die "Großen" in der Branche wird es schwierig

Mit dem Ende der sektorspezifischen GVO 1400/2003 war mit dieser Zurückhaltung Schluss. Die den Kfz-Produzenten von Brüssel gewährten neuen Freiheiten wurden meist sofort genutzt. Vor allem zu neuerlichen Standardanhebungen, die sich selbst große Betriebe wirtschaftlich kaum mehr leisten können. So erhielt die Lamster Autohandel GmbH -in Frauenkirchen Vertragswerkstätte für Nissan, Ford und Seat -Ende Juli Post aus Salzburg. Seat-Geschäftsführer Mag. Wolfgang Wurm teilte mit, dass "auf Grund der Kundenerwartungen" die Weiterentwicklung aller Servicebereiche unumgänglich sei. "Dies bedeutet Investitionen, die finanzielle Belastungen nach sich ziehen."Er schenkte dem altgedienten Partner, der seit 1987 für Seat werkt, auch gleich reinen Wein ein.

Fortführung nicht zu empfehlen

"Die von Ihnen geforderte Investitions-und Kostenaufstellung für den After Sales Bereich können Sie beigefügtem Chart entnehmen." Der Seat-Geschäftsführer rechnete Firmenchef Peter Lamster genau vor, wie viel Geld er in nächster Zeit für zusätzliche Schulungen, zusätzliche EDV und zusätzliches Spezialwerkzeug in die Hand zu nehmen hat. Mit der konkreten Schlussfolgerung, dass für seinen Betrieb auf Grund der konkreten Servicekennzahlen eine Fortführung des Seat-Servicevertrages "bereits heute nicht zu empfehlen sei".

"Da versucht der Hersteller, alle nicht mehr benötigten Betriebe mittels Kostennote aus dem Geschäft zu drängen", kommentiert Lamster frustriert diese Konzernstrategie. Er fragt sich, wozu seit 1987 fünf verschiedene Signalisierungen der Marke erforderlich waren. "Die Testgeräteversionen und das spezielle Werkzeug tun noch das Ihrige dazu",kommentiert er das sarkastisch mit: "Vorwärts Kameraden, es geht zurück".

"Nicht alles vorgeschrieben bekommen"

Der bekannte Skoda-Händler Christian Schröcker hat mit seinen drei Betrieben in Weng, Weilbach und Grieskirchen schon im Herbst 2013 die Konsequenzen gezogen. Er hat alle Markenverträge per Dezember 2015 gekündigt. 1994 ist er als einer der Ersten zu Skoda gestoßen und wurde dreimal -zuletzt 2010 -Kundenzufriedenheitssieger Österreichs. 2006 wurde er als der beste Skoda-Händler Österreichs geehrt. Doch die vom Importeur vorgeschriebenen neuen Standards haben seine Händlerzufriedenheit massiv beeinträchtigt.

"Die Kosten der Standards sind jetzt so hoch, dass Freie gar nicht mehr auf die Idee kommen, da mitzumachen." Schröcker möchte wieder "ein Unternehmer sein, der selber was unternimmt und nicht alles vorgeschrieben bekommt". Karl Schneider, Seniorchef eines Kia-und Opel-Autohauses in Bad Hall und ehemaliger Landesinnungsmeister von Oberösterreich, hat ihm zu diesem Schritt gratuliert.

Verdienten die Händler und Werkstätten zu viel?

Skoda-Chef Max Eggerärgert sich, dass gerade seine Marke ins Kreuzfeuer der Standard-Kritik geraten ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass bei anderen Marken weniger zu verdienen war? Die deshalb in der Vergangenheit auch keinen so starken Zuzug zu verzeichnen hatten? Bei deren Ertragslage die Partner derzeit auchgar nicht in der Lage wären, weitere Investitionen zu finanzieren?

Kurz nach dem Fest kam das Ende

So hat das Oberkärntner Autohaus Nowak noch im Jänner 2013 zum 60-jährigen Jubiläum ein rauschendes Fest gefeiert. Neun Monate später musste der traditionsreiche BMW-Händler mit 6,8 Millionen Euro Schulden seine Pforten schließen. Die Ursache des Konkurses lag in zu hohen Investitionen, die mit Aktiva von 4,6 Millionen zu Buche schlagen. So wurden 2013 mit den vom Konzern verordneten neuen Verträgen auch die Standards angehoben. Zusätzlichen Ausgaben für den Start weiterer Marken wie etwa Peugeot und Seat standen bei Nowak unzureichende Umsatzzuwächse gegenüber. Der Konkurs war unvermeidbar.

Wann rechnen sich die Investitionen?

BMW muss sich angesichts dieser Pleiteüberlegen, ob und wann sich die von den Händlern geforderten Investitionen rechnen. Denn die Salzburger Frey Gruppe konnte mit ihrem BMW-Betrieb in Villach diese Lücke keinesfalls ausgleichen. "Bei anderen Marken sind die Auflagen wesentlich niedriger", weiß der Salzburger Gremialobmann Markus Kaufmann aus eigener Erfahrung.

Er hat seine BMW-Aktivitäten in Kaprun und seine Seat-Betriebe in Zell am See und Kirchdorf zuletzt um die Marke Hyundai erweitert. Für diese Unterschiede gibt es auch einen plausiblen Grund: "Da ist die Begehrlichkeit nach einem Markenvertrag wesentlich niedriger." Er sieht in hohen Standards einen Selbstschutz der Hersteller, um den ausufernden Wettbewerb innerhalb der Markennetze einzudämmen.

"Bei Fiat habe ich bereits den dritten Fußboden"

Schirak prangert vor allemüberflüssige Ausgaben für den Markenauftritt an: "Ich habe bei Nissan schon die sechste CI oben." Er hätte gegen derartige Maßnahmen keine Einwände -wenn sie von den Herstellern bezahlt werden. "Bei Fiat habe ich bereits den dritten Fußboden."

Daher verlangt auch Schirak von allen Herstellern bei den Standards das richtige Augenmaß und hat auch einen Vorschlag zu den derzeit meistdiskutierten Standards zur Hand: Diese sollen künftig Standort bezogen gestaltet werden. "Unter Berücksichtigung der Absatzmöglichkeiten und der Stückzahlen", würde dieser Vorschlag aus seiner Sicht auch den Herstellern nützen. Damit könntensie ohne Diskriminierung auch in schwächeren Gebieten Markenbetriebe rentabel etablieren. Bleibt abzuwarten, ob und bei wem diese Idee auf offene Ohren stößt.