Man muss nicht Betriebswirtschaft studiert haben und man muss auch nicht Steuerberater sein, um die aktuellen Herausforderungen der heimischen Autohändler zu sehen. Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen, die nahezu alle Branchen treffen, gibt es zusätzliche Themen fürs Autohaus.
Das sind zum einen die Absatz-Probleme beim Neuwagen: Mit Corona sind die Neuwagen-Absätze eingebrochen und haben sind seither nicht mehr auf das frühere Niveau zurückgekehrt: die Überproduktion findet nicht mehr statt, ebenso sind die extrem hohen Stützungen (und Kurzzulassungen) reduziert worden, die Autos sind aus verschiedenen Gründen deutlich teurer geworden.
Neuwagen-Stückzahlen fehlen: Während in den Jahren zuvor zumindest die Erträge in einem Pull-Markt gestimmt haben, passen nun Stückzahlen und Erträge nicht mehr, lediglich die Umsätze sind durch die Preiserhöhungen gewachsen. Bei vielen Importeuren sind zudem Margen gekürzt worden, oftmals fehlen die Boni in der Bilanz.
Gleichzeitig sind die Kosten nahezu explodiert, vor allem im Personal-Bereich (das ohnehin schwer zu finden ist). Die Kfz-Branche arbeitet mit hohen Umsätzen und vergleichsweise niedrigen Margen, Veränderungen wirken sich hier schnell und intensiv aus. Rückläufige Erträge treffen auf steigende Kosten, das ist gefährlich.
Nun heißt es, schnell reagieren. Und das ist alles andere als einfach. Dazu braucht es „zweite Luft“, wie man im Laufsport sagen würde. Verständlicherweise ist das vor allem bei kleineren Familienbetrieben nach den Krisen der vergangenen Jahre auch ein Motivationsthema. Dabei sind wir in der Branche noch lange nicht über den Berg, wir sind mitten im steilsten Anstieg.
„Wir brauchen Zuversicht und unsere Hauptaufgabe als Unternehmer ist es, für gute Stimmung im Betrieb zu sorgen“, hat Oliver Bohn, GF von Kuhn+Witte in Hamburg beim A&W-Tag 2024 gesagt. Leichter gesagt als getan.
„KLART€XT“ als Leitfaden und Ideengeber
Mit unserer diesjährigen Sonderausgabe „KLART€XT – Reden wir über Erträge“ haben wir versucht, alle Ideen und mögliche Lösungen für eine Verbesserung der Situation zusammenzutragen: Mit Experten, Beratern, Branchendienstleistern, Anbietern aber auch mit erfolgreichen Beispielen aus der Branche zeigen wir Möglichkeiten auf, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.
Ganz ehrlich: das ist keine Raketenwissenschaft und es sind leider keine revolutionären oder einfach umzusetzenden Tipps dabei. Es geht vor allem um die konsequente Umsetzung bestehender Ideen und Lösungen, die entweder nicht mehr oder noch nicht realisiert worden sind: Dazu gehört etwa ein starkes Gebrauchtwagen-Geschäft, das in den Marken-Betrieben zuletzt vernachlässigt worden ist. Dazu gehört eine konsequente Nutzung der Finanzdienstleistung, aber auch der Versicherungsvermittlung, die nicht nur Zusatzerträge, sondern auch Werkstatt-Erträge bringt. Letzteres gilt auch für Neuwagen-Anschluss und Gebrauchtwagen-Garantien. All das sind entscheidende Instrumente zur Kundenbindung. Und dazu gehört auch das Reifengeschäft, das oft noch unterschätzt wird.
Generell muss sichergestellt werden, dass die Werkstatt-Auslastung hoch bleibt, selbst wenn das Neuwagen-Loch und die Elektromobilität das Gegenteil bewirken. Kommt der Kunde wirklich mit allen Themen rund ums Auto in den Betrieb? Oder fehlt bei Thema wie Pickerl, Reifen, Glas, Karosserie oder Aufbereitung die Kundenloyalität. Den Kunden im Haus zu behalten ist schwieriger und gleichzeitig wichtiger denn je
Wir können als Branchenmedium Ihre Probleme nicht lösen und Ihre Herausforderungen nicht bewältigen. Aber wir versuchen, Hilfestellungen und Tipps geben, wie können Ihnen die richtigen Partner, Lieferanten und Dienstleister vorstellen. Einige davon finden Sie in „KLART€XT“
