A&W: Wird es Änderungen in struktureller und strategischer Hinsicht gegenüber Ihrem Vorgänger Gerald Lackner geben?
Dipl.-Ing. Anton Kohl: Ich bin seit 1999 und damit quasi von der ersten Gründungsstunde an Teil von AVL DiTest. In weiterer Folge habe ich gemeinsam mit Gerald Lackner das Unternehmen maßgeblich mitgestaltet. Bei AVL DiTest achten wir sehr auf die Unternehmenskultur. Transparenz, Kundenorientierung und Agilität – das sind die wesentlichen Eckpfeiler des Unternehmens. Wichtige Punkte sind auch die Innovationen, das Produktportfolio und die strategische Ausrichtung. Ich verantworte seit 20 Jahren als Entwicklungsleiter die Innovationen bei AVL DiTest und kenne den Markt und die Produkte sehr gut. In diesem Zeitraum wurden viele neue Geschäftsfelder aufgebaut, welche sukzessive weiter ausgebaut werden.
Wie war der Geschäftsverlauf 2025?
Kohl: Die Geschäfte haben sich auf solidem Niveau stabilisiert, das war auch zu erwarten. Unser Markt ist ein sehr volatiler, mit starken Umsatz-Wellen. Diese werden von den Fahrzeugherstellern oder dem Gesetzgeber in Gang gesetzt – neue Fahrzeuge benötigen neue Diagnose- oder Reparaturwerkzeuge und Prüforganisationen benötigen neue Werkzeuge zur Überwachung verschärfter Abgasgrenzwerte. Generell sorgt unser agiler Ansatz dafür, dass wir auf reversible Strukturen achten. Wenn wir stark wachsen, dann nehmen wir Rücksicht darauf, dass die Strukturen nicht unwiderruflich stark mitwachsen. Diesen Weg gehen wir seit 25 Jahren mit Erfolg. Wir atmen mit dem Markt mit.
Wie wird sich der Geschäftsbereich Abgasüberprüfung in Zukunft entwickeln – auch vor dem Hintergrund einer stärkeren Durchdringung der E-Mobilität?
Kohl: Wir kennen diesen Markt ganz genau. Auf europäischer Ebene stehen mehrere Abgasgeset-gebungs-Wellen an, europaweit werden Abgasuntersuchungen eingeführt bzw. Abgasgrenzwerte verschärft. In diesem Zusammenhang sind neue Ausrüstungen zu erwarten, und zwar für Fahrzeuge, die sich bereits im Verkehr befinden. Das sogenannte Verbrenner-Aus bei Pkw ab 2035 ist vorerst für uns wenig relevant. Natürlich wird sich in weiterer Folge ein Umsatzrückgang einstellen, den wir allerdings unter anderem mit dem Geschäftsfeld E-Mobilität mehr als kompensieren werden.
Wird es gänzlich neue Produktgruppen geben?
Kohl: Es wird neue Entwicklungen geben, vor allem in der Überprüfung von Fahrerassistenzsystemen (FAS), die heutzutage noch nicht in der Gesetzgebung verankert ist. Die Systeme werden immer komplexer und aufwendiger, werden aber nicht überprüft. Wir wollen hier Verfahren etablieren, um die korrekte Funktion des FAS in kritischen Verkehrssituationen überprüfbar zu machen. In diesem Bereich wird es gesetzliche Vorgaben, konkret Homologations-Richtlinien, geben und die Einhaltung dieser Richtlinien wird künftig periodisch überprüft werden. Hier zeichnen sich auch Veränderungen im Markt ab, beispielsweise durch Software-Updates Over-the-Air (OTA). Die Diagnose kann das heute bereits leisten, es ist aber wichtig, dass diese Diagnosedaten zugänglich gemacht werden. Eine gewisse Herausforderung ist zum Beispiel die Wirkprüfung von Notbremsassistenten, an dieser arbeiten wir bereits.
Die Langfassung des Interviews lesen Sie in der AUTO Information Nr. 2814 vom 10. April 2026
